München, 15. Oktober 2019. In einem „Corporate Digital Responsibility Lab“, kurz CDR Lab, brachte die Unternehmensberatung dimension2 mit Unterstützung der ZD.B Themenplattform Verbraucherbelange 25 Unternehmensvertreter*innen aus 16 verschiedenen Unternehmen zusammen. Ziel dieser Auftaktveranstaltung war es, sich zu neuen Herausforderungen für die unternehmerische Verantwortung durch die Digitalisierung auszutauschen.

In der Diskussion zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus so unterschiedlichen Branchen wie Finanzdienstleistungen, Versicherung, Versandhandel oder IT ging hervor, dass sich bereits viele Unternehmen mit dem Thema Corporate Digital Responsibility (CDR) beschäftigen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es an handlungsleitenden Beispielen und Umsetzungsprojekten mangelt und die Dringlichkeit des Themas noch wenig auf Geschäftsführungsebene angekommen ist. Für Dominik Golle, Koordinator der ZD.B Themenplattform Verbraucherbelange, geht die Wirtschaft damit ein Risiko ein: „Wenn die Unternehmen sich nicht selbst bewegen und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung auch in digitalen Bereichen gerecht werden, wird der öffentliche Druck weiter steigen – und den Staat schließlich zu regulatorischen Maßnahmen bringen.“

Um hier voranzuschreiten, brachte dimension2 economics & philosophy consult GmbH gemeinsam mit dem Algorithm Accountability Lab und dem Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) Unternehmen zusammen, um über Herausforderungen und Chancen sowie konkrete Umsetzungsschritte einer CDR-Strategie zu diskutieren. Die Themenplattform Verbraucherbelange des ZD.B unterstützte die Veranstaltung als Sponsor.

Nachdem die unternehmensspezifischen Herangehensweisen an das Thema CDR und die ethische Positionierung der Unternehmen von den teilnehmenden Personen in der einleitenden Vorstellungsrunde kurz skizziert wurden, führte Rainer Friedl mit einem Impulsvortrag in das Spannungsverhältnis zwischen Ethik, Regulatorik und Wirtschaft ein. Im Gegensatz zur rechtlichen Grundlage, die für alle gleich verbindlich und notwendig ist, kann jedes Unternehmen freiwillig einen Wertekanon hinsichtlich Daten-, Algorithmen- und KI-Nutzung für seine Digitalisierung aufstellen und nach eigenen Regeln umsetzen. Inzwischen findet dieser Ansatz unter dem Stichwort CDR auch Einzug in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Gleichwohl fehlt es an einheitlichen Kriterien, an umsetzbaren Standards, an nützlichen Hilfsmitteln und an nachvollziehbaren Prozessen, wie Unternehmen einen Mehrwert für Gesellschaft und Unternehmen daraus generieren können.

Im anschließenden Praxisvortrag ordnete Bjarne Dankwardt von der Otto Group das Thema Digital Responsibility in die historische Entstehungsgeschichte der Nachhaltigkeitsstrategie von Otto ein. Bereits seit 1986 erfahre das Thema Nachhaltigkeit eine breite Unterstützung aus der Unternehmensspitze und nach der anfänglichen Fokussierung auf umweltethische Fragestellungen sowie gesamtgesellschaftliche Herausforderungen rückt seit gut zwei Jahren speziell das Handlungsfeld der Digitalisierung ins Zentrum der CR-Bemühungen der Otto datGroup.

Als gemeinsamen Treffpunkt für die Entwicklung und Umsetzung von CDR-Projektideen stellte Alexander von Stülpnagel als Nächstes die CDR-Lab-Initiative vor. Zunächst ergänzte er das Bild der über 30-jährigen Geschichte des Handlungsfeldes Corporate Social Responsibilty (CSR) hinsichtlich des besonderen Bedarfs freiwilliger Verantwortung in digitalen Zeiten. Anhand einer Studie des BVDW zeigte er auf, dass der Themenkomplex KI- und Datenethik bei den meisten Unternehmen noch gar nicht angekommen sei, obgleich es aufseiten der Verbraucher bereits einen hohen bzw. sehr hohen Stellenwert einnimmt.

Unter dem Motto „Erst denken, dann handeln. Erst handeln, dann reden.“ präsentierten Christopher Koska, Marc Hauer und Sebastian Wolfsteiner abschließend erste konkrete Projektideen, die in weiteren CDR-Labs weiter bearbeitet werden sollen.

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