München, 26. November 2019. Die Bayerische Arbeitsministerin Kerstin Schreyer gab den offiziellen Startschuss der Themenplattform Arbeitswelt 4.0 am Zentrum Digitalisierung.Bayern und ernannte die Sprecherin und die Sprecher aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeitnehmer*innenvertretung.

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus und welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für Unternehmen und Mitarbeiter*innen? Wie können Firmen, Arbeitnehmer*innen, Politik und zivilgesellschaftliche Gruppen diese Veränderungsprozesse gemeinsam gestalten? Diese Fragen standen im Fokus der ersten Netzwerkkonferenz der Themenplattform Arbeitswelt 4.0, die das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) am Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) eingerichtet hat. Das Interesse am Austausch zum Thema war groß: Mehr als 150 Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Organisationen – darunter Hochschulen, Unternehmen, Start-ups, Sozialverbänden, Gewerkschaften, Industrieverbänden und die Bundesagentur für Arbeit – diskutierten über den digitalen Wandel der Arbeitswelt. Spannende Einblicke in den technologischen Wandel am Arbeitsplatz gab Carolin Widenka, Head of Future of Work, Siemens AG, in ihrer Keynote „#FutureofWork im Konzern – mit #NewWork und #NextWork die Zukunft gestalten“. Wichtigste Voraussetzung dafür ist die Haltung der Mitarbeitenden, um Veränderungsprozesse im Unternehmen umzusetzen. Dabei spielt Transparenz in der Kommunikation und Offenheit bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen eine zentrale Rolle.

 

Die Teilnehmenden konnten sich in fünf interaktiven Workshops zu relevanten Themen der Arbeitswelt 4.0 austauschen:

Auf dem Weg zur agilen Organisation (durchgeführt von metafinanz Informationssysteme GmbH):

Hier lernten die Teilnehmenden den agilen Wandlungsprozess am Beispiel eines Unternehmens kennen. Es gab Gelegenheit, sich darüber auszutauschen, wie Selbstorganisation funktioniert und wie ehemalige Führungskräfte ohne Reputationsverlust neue Herausforderungen finden. Fazit: Organisationen müssen vieles probieren, Rückschläge verarbeiten, Erfolge feiern und sich ständig neu erfinden. Dabei sollte der Kunde immer im Mittelpunkt stehen.

New Work – New Learning! Wie Agilität unser Lernen revolutioniert (durchgeführt von Quality Minds GmbH):

Die Arbeitswelt von morgen und die klassische betriebliche Bildung sind nur schwer (bis gar nicht) miteinander vereinbar. Daher stand im Zentrum dieses Workshops die Frage, wie sich Lernen im Zeitalter von Digitalisierung, Vernetzung und globaler Mobilität verändert. Agiles Lernen eröffnet hier eine ganz neue Perspektive, indem es das herkömmliche Verständnis von Lernen auf den Kopf stellt. Im agilen Lernen steht der Lernende im Zentrum – nicht mehr Inhalte, Lehrpläne und Zertifikate. Im Unterschied zu klassischen Methoden der Wissensvermittlung wird die Lernumgebung auf die Lernziele, Interessen und Ressourcen der Lernenden ausgerichtet. Lernen wird selbstbestimmt, individuell, motivierend, bedarfsorientiert und praxisintegriert. Im Workshop konnten die Teilnehmenden dies in verschiedenen Erfahrungsräume zu Themen wie ‚Methoden agilen Lernens‘, ‚Lernen in agilen Teams‘ oder ‚agiles Lerncoaching‘ selbst ausprobieren.

 Design Thinking / Business Innovation (durchgeführt von Kreatives GmbH):

Dieser Workshops stand unter dem Motto „Jeder ist ein/e Innovator/in“. Die Trainer zeigten auf spielerische Art und Weise, wie man durch die Anwendung von Design Thinking strategisch alle Arten von Problemen lösen kann, die unser Leben, Unternehmen und die Zukunft betreffen. Viele Organisationen, Firmen und die Verwaltung wenden diesen Ansatz bereits an, um ihre größten Herausforderungen in ihre größten Chancen umzuwandeln. Die Teilnehmenden experimentierten in kleinen Gruppen mit Design Thinking-Methoden, um neue Ideen zu generieren und kreative Lösungen für ein konkretes Problem zu finden.

Künstliche Intelligenz. Einführung und Anwendungen: Was bedeutet das für mich und meine Organisation? (durchgeführt von der applied AI Initiative, UnternehmerTUM):

Hier lernten die Teilnehmenden die grundlegenden Konzepte maschinellen Lernens und neuronaler Netzwerke kennen und diskutierten nicht nur über technische Fragen, sondern auch über gesellschaftliche sowie organisatorische Implikationen. Am Ende konnten sie mögliche eigene Anwendungsfälle identifizieren und nächste Schritte für die Einführung von künstlicher Intelligenz in der eigenen Organisation ableiten.

Digital Leadership: Was wir (zu) wissen (glauben) (durchgeführt vom Center for Digital Leadership Management der TU München):

Obwohl das Thema Digital Leadership bzw. Führung 4.0 allgegenwärtig ist, herrscht große Unsicherheit, was der Begriff eigentlich bedeutet. Die Teilnehmenden konnten sich darüber austauschen, ob man sich als Führungskraft plötzlich komplett neu erfinden muss und welche Faktoren Führung in der digitalisierten Arbeitswelt ausmachen. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema „Digital Leadership“ ging es auch um mögliche Treiber neuer Formen von Führung im digitalen Zeitalter. Zudem gab es einen Einblick in den Einsatz von Technologien im Führungsalltag wie auch bei der Personalentwicklung.

 

Nach Zeit zum Austausch und zur Vernetzung in der Mittagspause begrüßte die die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer, die Teilnehmenden. Dabei betonte sie die Bedeutung der Themenplattform Arbeitswelt 4.0, die ein Querschnittsthema am ZD.B abdeckt: „Wir wollen wissen, wie die digitale Transformation die Arbeitswelt verändert und welche Konsequenzen sich hieraus für Unternehmen und Beschäftigte ergeben“. Zum offiziellen Start der Themenplattform Arbeitswelt 4.0. ernannte sie zudem die Sprecherin und die Sprecher der Themenplattform, die eine besonders wichtige Rolle einnehmen: Sie begleiten die Arbeit inhaltlich und strategisch und ermöglichen als Repräsentanten unterschiedlicher Stakeholdergruppen den Austausch zwischen allen wichtigen Akteuren. Künftig übernimmt Prof. Dr. Sabine Pfeiffer von der FAU Erlangen-Nürnberg die Sprecherrolle für die Wissenschaft, Dirk Ramhorst von der Wacker Chemie AG repräsentiert die Wirtschaft und Clemens Suerbaum von der Nokia Solutions & Networks GmbH & Co. KG vertritt die Arbeitnehmer*innen und die Betriebsräte.

Bei der anschließenden Paneldiskussion hoben die Bayerische Arbeitsministerin, Kerstin Schreyer, Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Dirk Ramhorst und Clemens Suerbaum hervor, wie wichtig ein breiter gesellschaftlicher Dialog über die Auswirkungen der digitalen Transformation der Arbeitswelt ist. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie ein Umfeld geschaffen werden kann, das Innovationen fördert und eine gesellschaftliche Spaltung verhindert. Die Panelteilnehmenden diskutierten auch darüber, was “gute Arbeit” in der Arbeitswelt 4.0 ausmacht und wie es gelingt, Flexibilisierung einerseits sowie Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit andererseits miteinander zu vereinen. Auch die Frage, wie gut wir in Bayern auf die digitale Transformation der Arbeitswelt vorbereitet sind, war Thema. Dabei beteiligte sich das Publikum rege an der Diskussion und stellte viele Fragen an die Experten.

 

All diese Themen werden in den kommenden Monaten im Fokus der Arbeit der Themenplattform Arbeitswelt 4.0 stehen. Dabei werden nicht nur die neu ernannte Sprecherin und die Sprecher, sondern insbesondere auch weitere Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeitnehmerschaft mit einbezogen. Ziel ist es, konkrete Ergebnisse und Handlungsempfehlungen für Organisationen zu erarbeiten. Hierzu werden verschiedene Formate wie Expertenworkshops und Diskussionsforen stattfinden, in denen die unterschiedlichen Akteure sich vernetzen und die Arbeitswelt von morgen mitgestalten können. Damit sollen gerade für kleine und mittlere Unternehmen Bedarfe und Handlungsansätze aufgezeigt werden, um das Tempo digitaler Entwicklung bis in die bayerischen Regionen hinein zu erhöhen und den Transfer zwischen Forschung und Praxis zu fördern. Weitere Informationen über kommende Aktivitäten und auch über die Ergebnisse der Arbeit der Themenplattform finden Sie auf der Website der Themenplattform

Fotocredits: Kreatives GmbH