München, 17. September 2019. Mitte September begrüßten die Koordinatoren des Health-IT-Talks Bayern, Michael Musick (BVMI) und Dr. Manfred Härdtner in den Räumen des Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) rund 25 Teilnehmer*innen aus Krankenhäusern und innovativen Unternehmen des Bereichs Health Care zum Thema Process Mining im Gesundheitswesen.

Maria Marlene Bohrer-Steck, Koordinatorin der ZD.B-Themenplattform digitale Gesundheit/Medizin, hieß die Anwesenden herzlich willkommen und stellte das ZD.B mit seinen Aufgabenschwerpunkten den Zuhörer*innen vor.

Im Vorfeld standen folgende Fragen im Raum:

  • Wie kann Process Mining im Gesundheitswesen eingesetzt werden?
  • Wie können auf der Basis von Daten die (Geschäfts-)Prozesse rekonstruiert und visuell dargestellt werden?
  • Können dadurch wirklich ineffiziente Prozesse erkannt werden?
  • Wie können solche Prozesse verändert werden?
  • Welche Rolle spielt dabei KI?

Erste Antworten gaben Alexander Endres, Strategic Growth Account Executive, Celonis SE, und Nils F. Wittig, CXO Chief Experience Officer bei K|M|S in ihren Vorträgen.

Alexander Endres von der Firma Celonis fasste es wie folgt zusammen: „Als Process Mining Anbieter nutzen wir die vorhandenen digitalen Event Logs in bestehenden IT Systemen, um datenbasiert die gesamten Geschäftsprozesse zu rekonstruieren und visuell darzustellen. Dies ermöglicht den Unternehmen, ihre Patienten-, Produkt-, Steuerungs- und Supportprozesse zu visualisieren und Transparenz darüber zu erhalten, wie diese Prozesse wirklich laufen.“

Geschäftsprozesse visualisieren

Endres demonstrierte die Arbeitsweise , Funktionen und Möglichkeiten der Datenanalyse beispielhaft anhand einer IT-Serviceeinheit. Celonis-Produkte kommen unter anderem in der Firma K|M|S in Unterhaching zum Einsatz. K|M|S unterstützt Krankenhäuser in ihren Arbeits- und Entscheidungsprozessen und verhilft so zu Transparenz und Entscheidungssicherheit.

Am Beispiel der Datenanalyse für eine typische Krankenhausbehandlung zeigte CXO Nils F. Wittig plastisch auf, wie viele Varianten die Behandlung eines Patienten mit einer bestimmten DRG annehmen kann. Durch Nutzung unterschiedlicher Process Mining-Funktionen wie die Zeitspanne der Betrachtung, Alter oder Geschlecht der Patienten, oder auch die gewählte Tiefe der Betrachtungsebene lassen sich die realen Prozesse grafisch sehr anschaulich darstellen, analysieren und mit den Nutzern gemeinsam bewerten.

Process Mining: welche Daten machen Sinn für Krankenhäuser?

Ein zentraler Punkt der anschließenden Diskussion war die Frage nach der Qualität und Aussagekraft des zugrundliegenden Datenmaterials. Da die zugrundeliegenden Daten nicht speziell für eine bestimmte Analyse erfasst und kontrolliert werden, sondern quasi Abfallprodukte aus dem tatsächlich ablaufenden Prozessgeschehen sind, ließ sich dieser Aspekt nicht eindeutig beantworten. Einerseits entsprechen die Daten den tatsächlichen, in den Systemen vorhandenen Ereignissen. Andererseits vermuteten die Diskutierenden eine gewisse Unschärfe in der Erfassung, da sich nicht jede Tätigkeit sofort nach der Ausführung erfassen lässt.

Auch die Frage nach der Auswertung und Deutung der Daten erwies sich als spannend. Welche Berufsgruppen werden zukünftig in Krankenhäusern dafür zuständig sein? Das medizinische Personal, die betriebswirtschaftlichen Abteilungen? Datenanalyse wird zukünftig vermutlich alle beschäftigen.

Einig war man sich letzten Endes darüber, dass Process Mining nur bei einem regelmäßigen Einsatz eine sinnvolle Beeinflussung des Prozessgeschehens ergeben und so eklatante Fehler vermeiden helfen kann.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des BVMI e.V., LV Bayern*), des KH-IT e.V.**) und des ZD.B
*) Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V., Landesvertretung Bayern
**) Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiterinnen/Leiter

Fotos: ZD.B