Ingolstadt, 19. September 2019. Die Themenplattform Vernetzte Mobilität und Bayern Innovativ luden zu einer Denkfabrik Urban Air Mobility in die Technische Hochschule Ingolstadt ein. Dabei wurden verschiedene technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte des Themas näher beleuchtet. 

In der Debatte um neue Mobilitätslösungen spielen Flugtaxis eine große Rolle. Doch ist ein gemütliches Überfliegen von Staus eher Science-Fiction oder schon bald gelebte Realität? Und wie viel Potential steckt darin auch für den bayerischen Mittelstand? Über diese Fragen wurde im Laufe des Nachmittags rege und auch kontrovers diskutiert.

Dr. Kay Ploetner von Bauhaus Luftfahrt sorgte zu Beginn der Veranstaltung erst einmal für gewisse Ernüchterung. Anschaulich stellte er die Schwierigkeiten der neuen Technologie hinsichtlich Kapazitäten, Energieeffizienz und Infrastruktur in Großstädten dar. Damit zeigte er, dass trotz einer Vielzahl an bereits bestehenden Ideen und Prototypen noch einige Herausforderungen auf dem Weg zu einem großflächigeren Einsatz von Urban Air Mobility bestehen.

Für einen technischen Überblick der verschiedenen Modelle und Antriebsarten sorgte Berater Denis Heckmann von FEV Consulting. Er zeigte eindrücklich, dass Flugtaxi nicht gleich Flugtaxi ist und eine hohe Variation an Ideen in diesem Bereich existieren. Außerdem betonte er, dass trotz der von seinem Vorredner geschilderten Herausforderungen durchaus einige interessante Anwendungsszenarien wie z.B. die Anbindung von Flughäfen an Innenstädte bestehen.

Anwendungsbeispiel Chicago

Dieses Szenario konnte Julian Berzborn von der RWTH Aachen aufgreifen und an einem konkreten Beispiel demonstrieren. In seiner Masterarbeit hatte er basierend auf historischen Daten untersucht, welche Taxifahrten der Stadt Chicago sich sinnvoll durch Flugtaxis ersetzen lassen würden und welche Implikationen dies auf eine effiziente Standortauswahl von Landeplätzen sowie auf eine optimale Flottengröße im alltäglichen Betrieb bedeuten würde.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Etablierung neuer Formen von Air Mobility ist das Vorhandensein klarer rechtlicher Rahmenbedingungen. Aus der Perspektive des Verbands Unbemannte Luftfahrt klärte Marian Kortas über die schon bestehenden Gesetze in diesem Feld auf und gab einen Überblick zu den weiteren Entwicklungen hinsichtlich der Regulierung auch des bodennahen Luftraums.

Den Abschluss der ersten Session machte Gerhard Schulz vom Verein Bavairia, der die Möglichkeiten des Testfelds Unbemanntes und Elektrisches Fliegen in Oberpfaffenhofen vorstellte und einen Ausblick auf die zukünftige Infrastruktur für Tests und Demonstrationen im Bereich Urban Air Mobility gewährte.

Intensive Debatten zu fünf Fragestellungen

Nach einer Kaffeepause hatten die Teilnehmer*innen dann die Wahl zwischen verschiedenen Workshops, deren Ergebnisse dann anschließend nochmal kurz im Plenum vorgestellt wurden. Dabei wurde in kleinen, interdisziplinären Gruppen über Themen wie zum Beispiel den Anforderungen an eine Infrastruktur, mögliche Geschäftsmodelle, Überlegungen zu Ethik und Nachhaltigkeit von Urban Air Mobility sowie zu neuen Drohnenkonzepten intensiv debattiert.

Wie viel Realität steckt nun also in der Sciene-Fiction-Vision des Flugtaxis? Im Laufe des Nachmittages sollte klargeworden sein, dass „Flugtaxi“ ein zu unscharfer Begriff ist, den man weiter differenzieren sollte. Ansonsten lässt sich festhalten: Urban Air Mobility wird sich in den nächsten Jahren sicherlich nicht so schnell zu einem Massenphänomen entwickeln. Die Technologie bietet aber in jedem Fall einige spannende neue Potenziale als Ergänzung der klassischen Mobilität.

Ingolstadt, 19.09.19. Fotos: Bayern Innovativ/ Jennifer Reinz-Zettler