München, 22. Oktober 2019. Rund 20 Vertreter*innen bayerischer Startups aus der Digital Health-Branche trafen sich bereits zum zweiten Mal in München zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Besonders interessant: der Impulsvortrag von Die BrückenKöpfe-Geschäftsführer Jürgen Graalmann.

Jürgen Graalmann von der Berliner Konzept- und Beteiligungsagentur Die BrückenKöpfe nahm nach einer kurzen Begrüßung durch Marlene Bohrer-Steck vom ZD.B kein Blatt vor den Mund: „Das Gesundheitswesen versteht keine Sau!“

Graalmann bezog sich dabei auf die zahlreichen Gremien und Gruppierungen im Gesundheitswesen. Er relativierte diese Aussage durch die Feststellung, dass man nicht alle Zusammenhänge im Einzelnen kennen müsse. Auch sei es nicht nötig, alle Bestimmungen im SGB V – Sozialgesetzgebung Buch V – zu lesen, in dem die Rahmengesetzgebung für die gesetzliche Krankenversicherung dargestellt wird.

Ein „Andocken“ an die bestehenden, über Jahre gewachsenen Strukturen, war für Startups bisher sehr schwierig. Zukünftig soll es über das Digitale Versorgungsgesetz (DVG) für Anbieter von digitalen Innovationen einfacher sein, eine Vergütung über die gesetzliche Krankenversicherung zu erhalten.

Fastlane für digitale Innovationen: Die DIGAs im Digitalen Versorgungsgesetz

Als „Fastlane“ bezeichnete Graalmann die durch das DVG vorgesehene Möglichkeit, dass GKV-Versicherte sich von ihrem Arzt eine Gesundheits-App künftig verschreiben lassen können. Gesundheits-Apps werden in diesem Gesetz als „Digitale Gesundheitsanwendungen“ (DIGAs) bezeichnet. Die Kosten dafür zahlt die gesetzliche Krankenversicherung.

Damit das möglichst unbürokratisch möglich ist, wird der Zugang für die Hersteller erleichtert: Nachdem die App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft wurde, wird sie ein Jahr lang vorläufig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet.

Hersteller müssen Bezahlung mit GKV-Spitzenverband aushandeln

In dieser Zeit muss der Hersteller beim BfArM nachweisen, dass seine App die Versorgung der Patienten verbessert. Graalmann empfiehlt hierfür von Anfang an eine entsprechende Konzentration auf die Evidenz einer DIGA und diese durch Studien bzw. Analyse von umfangreichen realen Anwendungsdaten nachzuweisen. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er letzten Endes selbst mit dem GKV-Spitzenverband.

Hilfreich für diese Preisverhandlungen sind laut Graalmann innovative Kooperationen, besonders die Zusammenarbeit mit den (gesetzlichen) Krankenkassen betonte Graalmann als existentiell wichtig. Eine solche Kooperation sei für ein Startup sehr vorteilhaft in der Preisverhandlung mit dem GKV-SV, wenn es dann um die endgültige, langfristige Erstattung durch alle GKV-Kassen geht.

Neuer Accelerator im Digital Health Bereich

Weitere Anregungen lieferte der zweite Vortrag des Treffens. Matthias Raß (Digital Health Application Center GmbH) stellte hierbei den aktuellen Stand des neu entstehenden Digital Health Accelerator vor.

Gemeinsam geplant vom Digital Health Hub und InsurTech Hub, soll dieser ‚Wachstumsbeschleuniger‘ diverse Vorteile für Startups bieten: vor allem natürlich Netzwerk-Kontakte, Coaching durch verschiedene Experten und eben auch einen leichteren Marktzugang. Vermittelt werden sollen diese und andere Inhalte den Teilnehmer*innen in Präsenzphasen in Nürnberg/Erlangen und München.

Hintergrund für die Vorstellung des Accelerator-Konzeptes war es, von den Startups Einschätzungen und Rückmeldungen einzuholen, ob dieses auch so den Bedürfnissen von Gründer*innen gerecht wird.

Grundsätzlich bekundeten fast alle Anwesenden Interesse an weiteren Informationen, Matthias Raß wird daher sicherlich bei einem der nächsten Treffen der Gründerarbeitsgruppe ein Update liefern.

Senden Sie uns Ihre Themenwünsche!

Sollten Sie selbst an den nächsten Treffen teilnehmen wollen, melden Sie sich bitte unter der E-Mail gesundheit@zd-b.de. Wir nehmen Sie gerne in unsere Einladungsliste auf. Auch Themenvorschläge sind uns jederzeit herzlich willkommen.

Fotos: Jörg Koch

  • 20191022_2. Treffen der Gründerarbeitsgruppe Digitale Medizin
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  • 20191022_Marlene Bohrer-Steck_Julia Laukemann_2. Treffen der Gründerarbeitsgruppe Digitale Medizin
  • 20191022_Jürgen Graalmann_2. Treffen der Gründerarbeitsgruppe Digitale Medizin