Aschaffenburg, 12. März 2020. Welche Voraussetzungen sollten modulare Weiterbildungen   erfüllen, um den Anforderungen der Arbeitswelt der Zukunft gerecht zu werden? Können entsprechende Angebote den Fachkräftemangel und den Rekrutierungswettbewerb entschärfen? Welche Rahmenbedingungen sind aus Sicht der Unternehmen wichtig, welche aus der Perspektive der Mitarbeitenden? Diese Fragen standen im Zentrum des New Work Symposiums, zu dem die Technische Hochschule Aschaffenburg in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Digitalisierung.Bayern am 12. März 2020 einlud.

Dass sich Organisationen mit massiven Veränderungen und Entscheidungen unter Unsicherheit auseinandersetzen müssen und wie stark die Auswirkungen der VUCA-Welt sind, zeigt sich aktuell anhand der Entwicklungen rund um das Coronavirus. Hier müssen sich Unternehmen und ihre Mitarbeitenden mit der digitalen Transformation auseinandersetzen, um flexibel zu reagieren, dezentrales Arbeiten und ein selbst organisiertes Arbeiten in virtuellen Teams möglich zu machen. Dies umfasst nicht nur die technologische Infrastruktur, sondern betrifft insbesondere auch die Themen Kommunikation, Organisationsentwicklung, Führung und Personalentwicklung. Aber auch zukünftig werden dezentrales Arbeiten, Flexibilität und Selbstverantwortung in Organisationen zum Alltag gehören.

Einleitend betonte Prof. Dr. Holger Paschedag, Vizepräsident der TH-Aschaffenburg, dass das Thema Weiterbildung und Kompetenzentwicklung nicht nur hohe Anforderungen an die Führungskräfte stellt: „Vielmehr braucht es konkrete Weiterbildungsformate, die den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden helfen, die digitale Transformation hierarchieübergreifend und praktisch für alle Tätigkeitsfelder zu gestalten.“

Im Rahmen des Symposiums brachten Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaft und Gewerkschaft aktuelle Erkenntnisse aus den unterschiedlichen Perspektiven ein. Damit wurde der Rahmen beschrieben, innerhalb dessen sich Kleinbetriebe wie Konzernniederlassungen entwickeln werden. Für den bayerischen Untermain diagnostizierte die Bertelsmann Stiftung (2011) noch vor wenigen Jahren eine unterdurchschnittliche Inanspruchnahme beruflicher Weiterbildung. Vor diesem Hintergrund forderten Prof. Dr. Erich Ruppert und Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann (TH-Aschaffenburg) „ein schnelles Umdenken bei den Unternehmen und ihren Mitarbeitern sowie neue Angebote von Bildungsanbietern.“ Als Teil einer Initiative mit dem eco-Verband der Internetwirtschaft, der IG Metall sowie der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung stellt das New Work der TH-Aschaffenburg einen wichtigen Meilenstein dar. Ziel der Kooperation ist es, einen praktischen Beitrag für das lebensbegleitende Lernen im digitalen Wandel zu leisten. Fachliche Lehrgänge, berufsbegleitende Studiengänge, öffentliche Ringvorlesungen oder auch modulare Angebote als Workshops und im Rahmen digitaler Plattformen stehen auf der Agenda.

Im Rahmen der Veranstaltung präsentierte Dr. Rahild Neuburger von der Fakultät für Betriebswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und Leiterin des Arbeitskreises „Arbeiten in der digitalen Welt“ des Münchner Kreises, die Ergebnisse des Workshop-Days „Kompetenzentwicklung für die digitale Arbeitswelt – Wege und Hindernisse“, einer Kooperationsveranstaltung von Münchner Kreis und dem Zentrum Digitalisierung.Bayern, die im Juni 2019 stattfand. Der Vortrag war ein Ausblick auf die Publikation der zentralen Thesen, die in den kommenden Monaten erfolgt.

Lucia Falkenberg, CPO des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. und Leiterin der eco Kompetenzgruppe New Work, ging in Ihrem Vortrag auf die Frage ein, ob eine systematische Weiterbildung für die Arbeitswelt 4.0 den Fachkräftemangel und den Rekrutierungswettbewerb entschärfen kann und außerdem welche Rahmenbedingungen aus Sicht der Unternehmen beachtet werden müssen.

Anschließend analysierten Percy Scheidler, Geschäftsführer der IG Metall Aschaffenburg, und Susanne Trunk, Weiterbildungsberaterin bei der SQG Aschaffenburg, Aspekte gelingender Weiterbildungsprozesse unter Beteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Unternehmenspraxis.

Über mögliche Inhalte, Formate und Kompetenzbedarfe von Weiterbildungsangeboten diskutierten die Teilnehmenden im zweiten Teil der Veranstaltung in drei Mini-Workshops. Dabei kamen die Teilnehmenden des Symposiums, dass es neben dem Anwendungswissen für digitale Technologien auch um die rechtlichen und ethischen Fragen der Digitalisierung geht. Als ein Beispiel wurde genannt, dass letztlich auch jeder Einkäufer für das Unternehmen definiert, welche Vorprodukte aus welchen Herstellungsbedingungen eingesetzt werden. Dies ist neben der technischen und finanziellen auch eine ethische Frage, auf die Mitarbeiter vorbereitet werden müssen – eine wichtige Ergänzung der fachlichen Diskussion rund um das Thema New Work und ein Thema, mit dem sich auch die Themenplattform Arbeitswelt 4.0 am Zentrum Digitalisierung.Bayern im Rahmen der Diskussion um Corporate Digital Responsibility auseinandersetzt.

Die Teilnehmenden betonten, dass sich Weiterbildungsangebote in ihrer konkreten Form einerseits an den persönlichen Kompetenzbedarfen der Fachkräfte und an deren zeitlicher Bedürfnislage orientieren. Nicht verwunderlich, dass gerade die Weiterbildung für den Digitalen Wandel eine Vielfalt an zeitlich, örtlich und inhaltlich flexiblen Zugängen ermöglichen soll. So forderte das New Work Symposium Verantwortungsträger in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft heraus, die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt zielgerichtet aufzugreifen und konkrete Schritte zu deren qualifizierten Ausgestaltung zu unternehmen.

Zusammenfassend erläuterte Mathilde Schulze-Middig, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aschaffenburg, was getan werden kann, um die Beteiligung an Weiterbildung zu erhöhen. In diesem Zusammenhang ging sie auch darauf ein, inwiefern das Qualifizierungschangengesetz dazu beiträgt, Beschäftigungs- und Einkommenschancen zu sichern.