Richtig agil! Erfolgreiche Konferenz in Nürnberg

Die Nürnberger Initiative für die Kommunikationswirtschaft (NIK) und das ZD.B/BICCnet luden zur Agile Leadership Konferenz in die Nürnberger Kulturwerkstatt auf AEG ein. Über 200 Vertreter*innen unterschiedlicher Unternehmen und Verwaltungen diskutierten jenseits von Buzzwords und allgemeinen Hypes ganz konkret über die notwendigen Schritte auf dem Weg ins agile Zeitalter.

Nürnberg, 1. Oktober 2019. In allen Diskussionen über die Digitale Transformation und die Arbeitswelt der Zukunft fällt früher oder später auch das Stichwort des agilen Arbeitens. Agilität entwickelt sich zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor und Wettbewerbsvorteil. Doch die konkrete Umsetzung bereitet vielen Organisationen Probleme. Es gilt eine bedachte Weiterentwicklung von Hierarchien und Zusammenarbeit zu finden, bei der die Mitarbeiter*innen nicht alleine gelassen werden dürfen. Die Agile Leadership Konferenz 2019 stellte sich diesen Herausforderungen mit einer Mischung aus Vorträgen, Workshops sowie dem Raum zu individuellen Debatten. Dabei legte die Konferenz sehr viel Wert auf eine hohe Praxisnähe aller präsentierten Beiträge.

Agile Leadership Nürnberg 2019

Fotoredits: Inci Strauß

Vor der ersten Pause lockerte ein interaktives Format die Runde auf. Das gesamte Plenum versammelte sich im Vorraum und musste Fragen der Moderator*innen oder von anderen Teilnehmenden beantworten. Neben Fragen zum beruflichen Alltag standen dabei allerdings auch durchaus heikle private Fragen wie z.B. die, wer schon mal beim Schwarzfahren erwischt wurde, im Fokus. Dadurch sollte auf der einen Seite das anschließende Netzwerken vereinfacht werden, auf der anderen Seite konnte so „am eigenen Leib“ erfahren werden, was ein Kulturwandel hin zu mehr Transparenz eigentlich bedeutet. Im Anschluss daran teilte sich die Veranstaltung: Parallel wurden jeweils zwei Workshops sowie ein Vortrag im großen Saal angeboten.

Agile Trainer Alex Kempkens lud die Teilnehmer*innen seines Workshops ein die Agile Transition doch mal als eine Art Fantasy-Rollenspiel zu begreifen. Er empfahl Executives anstelle von starren Guidelines flexiblere Playbooks an die Hand zu geben. Diese könnten dann einen roten Faden vorgeben und trotzdem eine kontextabhängige Anpassung an die jeweiligen Rahmenbedingungen ermöglichen. Die Rolle der Führungskräfte würde sich somit eher hin zu der eines Fantasy-Spielleiters wandeln, der seinem Team bei der Orientierung und Bewältigung von Problemen auf einem langen Weg unterstützen soll. Anschließend versuchten die Teilnehmenden in Kleingruppen Konzepte für solche Playbooks zu entwickeln, was sich in der Praxis als gar nicht so einfach erwies: So konnte man sich zwar relativ schnell auf grobe Leitlinien wie z.B. der Etablierung einer Fehlerkultur einigen, die entscheidenden Punkte für ein Playbook waren damit aber noch nicht erklärt. Kempkens veranschaulichte an diesem Beispiel wie schwierig die Formulierung solcher Richtlinien ist, in dem er die Frage aufwarf, welche Art von Fehlern man als Führungskraft dem Team zugestehen sollte und welche nicht: Verzögert sich ein Projekt durch einen Fehler ist das vielleicht in einigen Fällen durchaus zu verkraften und lohnenswert, wenn dadurch die Safety eines Produkts gefährdet wird, sieht die Beurteilung aber schon anders aus. Am Ende des Workshops stand daher kein ausgereiftes Playbook, aber ein grundlegendes Verständnis für die dabei zu berücksichtigenden Problemfelder.

Fotoredits: Inci Strauß

Fotocredits: Eva Stockmeyer

Währenddessen brachte Jürgen Hampe im Raum nebenan den Teilnehmern seines Workshops „Agilität ist die Antwort, was war die Frage?“ das Cynefin-Frameworks von Dave Snowden näher. Dafür konkurrierten die in Gruppen aufgeteilten Anwesenden in vier Lego-Wettbewerben, die die Eckpunkte „komplex, kompliziert, chaotisch und einfach“ spürbar machten. Dadurch wurde veranschaulicht, dass Agilität zwar eine Antwort auf komplexe Problemstellungen sein kann, aber nicht die Lösung für jede Arbeitssituation ist.

Trainer und Coach Martin Zirm begann seinen Workshop mit ein paar Aufwärmübungen. Alle Anwesenden waren aufgefordert ein paar Fragen zu beantworten, in dem sie sich entsprechend im Raum platzierten. So standen alle zuerst in nach Tätigkeit geordneten Gruppen zusammen, um sich danach je nach Grad der Zustimmung zu Agilität im Unternehmen zusammenzufinden. Auf diese Weise konnte sich jeder schnell einen Eindruck von den verschiedenen Personen im Raum verschaffen. Daraufhin versuchte Zirm die im Titel gestellte Eingangsfrage „Wie kann ich als Führungskraft die agile Transition passend für mein Team gestalten?“ zu beantworten. Er betonte zunächst, dass sich Agilität zwar für komplexe, aber definitiv nicht für jede Arbeitssituation handelt. Bei sehr chaotischen oder stark routinierten Abläufen sei Agilität in seinen Augen definitiv die falsche Herangehensweise. Für alle, die den Weg der agilen Transition gehen wollen, stellte er daraufhin das 4-Raum-Modell vor, nachdem es bei diesem Prozess auf die vier Aspekte Sinn, Handlung, Stärke und Abschluss ankommt. Inspiriert durch diese Eindrücke bot der Workshop gegen Ende hin dann die Möglichkeit zu einem offenen Erfahrungsaustausch in selbst gewählten Vierergruppen.

Zum Ausklang der Veranstaltung lockte ein weiteres spielerisches Angebot: Sponsor Adorsys lud zur so genannten Agile Games Session in Ihre Räumlichkeiten ein paar Meter weiter ein. In Simulationen typischer Arbeitssituationen bestand die Möglichkeit verschiedene Methoden auszuprobieren und miteinander zu vergleichen. Danach bestanden bei verschiedenen Pasta-Gerichten aus dem Food Truck sowie kalten Getränken noch zahlreiche Gelegenheiten die Vorträge des Tages ausgiebig zu diskutieren.