Bild v.l.n.r.: Georg Hohmann, Deutsches Museum; Dr. Margit Ksoll-Marcon, Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns; Oguzhan Balandi, Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg; Dr. Karsten Ehms, Siemens AG; Dr. Tobias Bürger, BMW Group; Anne-Kathrin Böhm, Referentin von Prof. Dr. Burkhard Freitag; Prof. Dr. Burkhard Freitag, Sprecher Wissenschaft in der Themenplattform Digitalisierung in Bildung, Wissenschaft und Kultur, ZD.B.

1. Juli 2019, Garching. Die Themenplattform Digitalisierung in Bildung, Wissenschaft und Kultur des Zentrums Digitalisierung.Bayern (ZD.B) richtete die Veranstaltung „Semantische Technologien in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur“ in der Geschäftsstelle des ZD.B in Garching bei München aus.

Semantische Technologien finden in vielen Fachdisziplinen praktische Anwendung bei der inhaltlichen Beschreibung komplexer Daten, um deren Nachhaltigkeit und vielfältige Vernetzbarkeit sicherzustellen. Während ihre Entwicklung in der Informatik begann, profitieren heute nicht nur die Wissenschaft, sondern auch Wirtschaftsunternehmen und Kulturinstitutionen maßgeblich von ihrem Einsatz.

Die Veranstaltung stellte die Bedeutung der Semantik von Daten dar und zeigte den vielfachen Nutzen semantischer Technologien auf. Neben einem wissenschaftlichen Überblick präsentierten die Referenten Praxisansätze aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur und veranschaulichten den facettenreichen Einsatz in unterschiedlichen Bereichen.

Nach einer kurzen Einführung durch Prof. Dr. Burkhard Freitag, Sprecher Wissenschaft in der Themenplattform Digitalisierung in Bildung, Wissenschaft und Kultur des ZD.B, sowie einem Grußwort von Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy, Gründungspräsident des ZD.B, stellte Frau Dr. Kathrin Zimmer die Arbeit der Themenplattform Digitalisierung in Bildung, Wissenschaft und Kultur des ZD.B vor. Nachfolgend bekamen die Teilnehmer*innen von Georg Hohmann einen Einblick in die Arbeit des „Deutschen Museums Digital“ sowie in die digitale Dokumentation der Kultureinrichtung. Dieser erste Fachvortrag betrachtete eingangs die konzeptionellen Grundlagen semantischer Technologien, um in einem zweiten Schritt die Herausforderungen semantischer Datenverarbeitung für das digitale Kulturerbe herauszuarbeiten. Herr Hohmann war vor seiner Tätigkeit am Deutschen Museum maßgeblich am Aufbau des digitalen Bildarchivs prometheus beteiligt und arbeitete im Bereich Museums- und Kulturinformatik für das Germanische Nationalmuseum, sodass er in seinem Vortrag die Relevanz der Technologie für Kulturinstitutionen besonders anschaulich belegen konnte.

Im Anschluss stellte Oguzhan Balandi, Knowledge Graph und Software Engineer, die Aktivitäten des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg vor. Da sich das Zentrum seit Jahrzehnten mit der Sammlung, Digitalisierung und Online-Publikation von kunsthistorischen Fotos und Objekten beschäftigt, präsentierte auch dieser Vortrag ein weiteres Anwendungsfeld semantischer Technologien. Anschließend erläuterte Dr. Karsten Ehms, Senior Expert on Knowledge Management and Digital Collaboration bei der Siemens AG, aus welchen Motiven sich Wirtschaftsakteure für oder gegen die Einführung von semantischen Technologien entscheiden. Dr. Ehms ergänzte dies durch Anwendungsfälle zu den Themen Knowledge Graph und Machine Learning aus der Siemens AG. Durch seine langjährige Tätigkeit bei dem Unternehmen ermöglichte Dr. Ehms einen Blick aus Sicht der Wirtschaftspraxis. Besonders wichtig für die Akzeptanz semantischer Technologien seien einerseits der konkrete Nachweis ihrer Vorteile und andererseits ein unkomplizierter Zugang, beispielsweise durch geeignete Bedienschnittstellen.

In Ergänzung zu den Diskussionen im Rahmen der Fachvorträge hatten die Teilnehmer*innen am Nachmittag die Gelegenheit, weitere Aspekte während der Podiumsdiskussion zum Thema „Informationsmanagement und Digitalisierung – Chancen und Aufgaben“ zu erörtern. Das Podium setzte sich aus den Referenten sowie Frau Dr. Margit Ksoll-Marcon, Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns, und Herrn Dr. Tobias Bürger, Leiter des Bereichs Big Data Plattform und Architektur bei der BMW Group, zusammen. Hierbei waren Fragen nach möglichen Synergien zwischen den Perspektiven Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur sowie spezifische Anforderungen und Lösungsansätze in den verschiedenen Bereichen von besonderem Interesse.

Neben der Diskussion zur Wiederverwendbarkeit und Langzeitverfügbarkeit von Daten, dem Umgang mit heterogenen Standards und Vokabularen in den einzelnen Anwendungsfeldern sowie der Nachhaltigkeit digitaler Artefakte wurden auch weiterführende Themen diskutiert: Die Podiumsteilnehmer*innen waren sich einig, dass der Umgang mit digitalen Artefakten nicht nur eine Umstellung der Arbeitsabläufe bedeutet, sondern gleichzeitig eine Kompetenzerweiterung bei Mitarbeiter*innen notwendig macht. Zudem sei ein verstärktes Problembewusstsein in Bezug auf die Ausbildung von zukünftigen Mitarbeiter*innen von zentraler Bedeutung, um diese auf die neuen Anforderungen durch die Digitalisierung im Berufsalltag ausreichend vorzubereiten. Ein schnelles Handeln von Seiten der Politik zur Verstärkung der Qualifikation auf allen Ebenen wurde von allen Beteiligten als notwendig bezeichnet.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Netzwerk INDIGO statt.

Nähere Informationen zur Themenplattform Digitalisierung in Bildung, Wissenschaft und Kultur finden Sie auf der Homepage des ZD.B.

 

Bildnachweis: ZD.B