Cosmos

Ingolstadt, 10. März 2020. Auf der Conference on Smart Mobility Services wurden die neusten Trends in der Vernetzten Mobilität diskutiert und deren Nutzen für eine umweltfreundliche und ressourcenschonende Fortbewegung kritisch reflektiert.

Angebote wie Carsharing, Ridepooling, E-Scooter oder öffentlicher Nahverkehr machen die Mobilität in urbanen Zentren auch dank digitaler Dienste vielfältig und abwechslungsreich. Die Conference on Smart Mobility Services (Cosmos), die am 10.03.20 vom Cluster Automotive mit der Unterstützung des Zentrum Digitalisierung.Bayern veranstaltet wurde, ging der Frage nach, wie digitale Lösungen – von der Smartphone-App, über Big Data, bis hin zum Quantencomputer – zu einem intermodalen, nachhaltigen Mobilitätsmix beitragen können. Zahlreiche MobilitätsexpertInnen aus Deutschland und Österreich hatten sich dafür in der Technischen Hochschule Ingolstadt eingefunden. Begleitet wurde die Konferenz von einer Fachausstellung, bei der sich insbesondere Start-Ups aus dem Mobilitätssektor die Möglichkeit bot, sich dem Fachpublikum zu präsentieren. Die Aussteller sind hier aufgelistet. Während des ganzen Konferenztages stand den TeilnehmerInnen zudem das Innovation & Mobility Lab der THI offen. Der im Rahmen des Projekts „Mensch in Bewegung“ entstandene Trailer soll den Wissenstransfer der Mobilitätsforschung in die Gesellschaft befördern. Interessierte Besucher können dort anhand eines virtuellen Stadtmodells lernen, wie sich das Stadtbild Ingolstadts bei bestimmten Mobilitätsszenarien künftig entwickeln könnte und sogar eine virtuelle Flugtaxifahrt über München antreten.

Innovationen brauchen Zeit

Eröffnet wurde die Konferenz durch Jennifer-Reinz Zettler, Leiterin des Spezialisierungsfelds Mobilität bei Bayern Innovativ und Prof. Dr. Harry Wagner, Professor für Automotive & Mobility Management an der TH Ingolstadt. Reinz-Zettler stellte in ihrer Einführung zunächst fest, dass entgegen aller Trends und Innovationen der Mobilitätswandel nur zögerlich voranschreitet. Noch immer steigt die Zahl der Autozulassungen und auch Ridehailing-Dienste haben bislang nicht den erwünschten positiven Effekt auf Klima und Umwelt. In diesem Sinne plädierte Prof. Dr. Wagner dafür, neuen Technologien und Innovationen Zeit zur Reifung zuzugestehen. Es brauche einiges an Zeit und Forschungs- und Entwicklungsaufwand, bis eine „neue“ Technologie ihre Leistungsfähigkeit vollends entfalten und eine „alte“ Technologie ersetzen könne.

Jennifer Reinz Zettler

Den Auftakt der Cosmos machte schließlich Michael Fischer von Urban Mobility International, die den Carsharing Anbieter WeShare betreibt. Fischer gab in seinem Vortrag einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen des Carsharing, seine Probleme und Wachstumsmärkte. Die Trends sieht Fischer in der Elektrifizierung der Fahrzeugflotten, der Integration von intermodalen Mobilitätsangeboten, neuen Preismodellen, die den Unterschied zwischen Free-Floating Car Sharing und klassischem Mietwagendiensten verschwimmen lassen, sowie B2B-Geschäftsmodellen.

“MaaS ist nicht wie Netflix”

„Mobility as a Service ist nicht wie Netflix“, konstatierte Marie Kress von der Comtrade-Tochter Voyego. Mobilitätsangebote können nicht unangepasst auf andere Ortschaften übertragen werden, sondern bedürfen sorgfältiger Anpassung, um lokalen Mobilitätsbedürfnissen und regulatorischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Daher müssten sich BetreiberInnen von Mobilitätsplattformen auf eine langsame Skalierung ihres Geschäftsmodells und ein organisches Wachstum einstellen.

AnwenderInnen von Moblitätsplattformen und anderen Mobility-Services sehen sich häufig mit einem regelrechten „App-Dschungel“ konfrontiert, der die einfache Handhabe und die bedarfsgerechte Nutzung von Mobilitätsangeboten erschwert. Um dem entgegenzuwirken, präsentierte Sami Asaker von der Future Mobility Services GmbH seine Vision eines „Mobility Roamings“, durch das die zahllosen Angebote für die NutzerInnen zentral in einer App gebündelt werden könnten.

Holger Hochgürtel von INRIX widmete sich in seinem Vortrag dem Nutzen von Big Data für städtisches Verkehrsmanagement. INRIX sammelt und analysiert Verkehrsdaten aus einer Reihe von Quellen und bereitet diese u.a. für Kommunen auf. So können etwa Ampelschaltungen optimiert oder Verfügbarkeit des Parkraums vorhergesagt werden. Ebenso erlauben die Vorhersagen das Potenzial für Mikromobilitäts-Services als Alternative zum motorisierten Individualverkehr zu bemessen. Dadurch kann Big Data als „Enabler“ einer nachhaltigen und bedarfsorientierten Mobilität dienen.

Ein Tarif für alle Mobilitätsangebote

Die Stadt Augsburg gilt in Mobilitätsfragen durchaus als Trendsetter. Als erste deutsche Großstadt kündigte sie Anfang des Jahres die kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im Innenstadtgebiet an. Benedikt Stenzel von den Stadtwerken Augsburg stellte außerdem die örtliche Mobil-Flat vor, die die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs sowie Car- und Bikesharing in einem Preismodell vereint.

Michael Eckenweber von der DB Station & Service AG stellte in seinem Vortrag dar, welche Bedeutung Bahnhöfe im Spannungsfeld von Mobilität, Logistik und New Work spielen können. Durch die Umgestaltung zu Mobilitätshubs, Co-Working Spaces oder Smart Lockers könnten so ungenutzte Potenziale aktiviert werden, die der Mobilitäts-, Arbeits- und Konsumkultur gerecht werden.

Cosmos

Das Team der Cosmos

Im Anschluss stellten Studierende des Studiengangs Automotive & Mobility Management einige Projektarbeiten vor, in denen sie sich mit der Wirtschaftlichkeit von autonomen Shuttles im ruralen Raum und dem Geschäftsmodell von Mikromobilitätsanbietern beschäftigten sowie prototypische Mobilitätsanwendungen für ArbeitnehmerInnen und Kinder erstellten.

Zum Abschluss der Konferenz stellte Sheir Yarkoni vom Volkswagen Data:Lab exemplarisch einige Use Cases des Quantum Computing im Bereich der Mobilität vor, die bereits in einigen Pilotprojekten erprobt wurden. Björn Siebert von door2door stellte eindrücklich unter Beweis, dass On-Demand–Ridepooling auch im ländlichen Raum erfolgreich umgesetzt werden kann, wie im Fall der Leuchtturmprojekte Freyfahrt Shuttle in der Gemeinde Freyung und dem Hofer Landbus. Mit einem spontanen Vortrag zum Thema „Trusted Mobility Hub“ schloss Thomas Christl von TÜV Süd den Konferenztag.

Bilder: Bayern Innovativ