Tech Days 2020

Die Tech Days fanden 2020 zum sechsten Mal statt – aber zum ersten Mal in einer ganz besonderen Form: Da die COVID-19-Pandemie eine analoge Konferenz unmöglich gemacht hatte, wurden die Tech Days in allen Aspekten virtuell. So gelang mit nur wenigen Wochen Planung die Transformation des Events ins Digitale und damit genau der Technologiesprung, den sich Dr. Markus Söder in seinen Eröffnungsworten für die ganze Gesellschaft gewünscht hat: „Ich will die High-Tech-Agenda schneller umsetzen als geplant – insoweit kommen die Tech Days Munich genau richtig!“

Dementsprechend wurden die Tech Days Munich zum virtuellen Hotspot und branchenübergreifendem Innovationsforum für GründerInnen, ExpertInnen, WissenschaftlerInnen und UnternehmerInnen – und dieses Mal nicht nur in München, sondern über das Internet verbunden auf der ganzen Welt. Durch eine Online-Plattform konnten die verschiedenen interaktiven Workshops, Panels und Keynotes zum Teil sogar parallel stattfinden, mit Themenschwerpunkten auf Clean Tech, Cybersecurity, Innovation Management und New Work. Veranstaltet wurde das Ganze durch das Zentrum Digitalisierung.Bayern, das Sicherheitsnetzwerk München und Bayern Innovativ, unterstützt und gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Die digitale Transformation, kreative Lösungen dafür und der technologische Fortschritt standen im Mittelpunkt – und natürlich die Herausforderungen der COVID-19-Krise.

Auch Dorothee Bär (Staatsministerin für Digitales) betonte in ihrem Grußwort, dass die Krise vor allem zeige, was in Sachen Digitalisierung noch geschehen müsse. Denn die Digitalisierung ist präsent wie nie zuvor: „Digitalisierung ist die Grundbedingung, mit der man eine Krise meistern kann – never waste a crisis!“ Also einfach loslegen und machen – was auch Judith Gerlach (Bayerische Staatsministerin für Digitales) lobend an den Tech Days hervorhob: „Das Digitale bietet hier ganz neue Chancen. Ich freue mich auf Ihre Ideen – und vor allem auf Ihre Lösungen!“

Die Resonanz zu den Tech Days war dabei hervorragend: Fast 2000 Anmeldungen sorgten für rege Teilnahme an den Workshops, den Sessions und natürlich am Chat. Insgesamt 136 SpeakerInnen teilten ihr Wissen und ihre Standpunkte in 41 Programmpunkten auf fünf virtuellen Bühnen. Eine analoge Ausnahme gab es: im Werk 1 war das Live Studio der Tech Days eingerichtet, von dem aus Bianca Sum (Koordinatorin der Themenplattform des ZD.B) und Peter Möhring (Leiter Sicherheitsnetzwerk München) moderierten und durch den Tag führten.

Ein wichtiges Thema der Tech Days war dabei eines, das während der COVID-19-Pandemie für die meisten mit einem Schlag Alltag wurde: das Arbeiten im Homeoffice. New Work oder New Normal? Schon Ralf Wintergerst (Vorsitzender der Geschäftsführung Giesecke + Devrient) betonte in seiner Begrüßung: „Corona is challenging our society and economics. It really changes our life – but we shouldn’t go back to life before Corona.” Das Homeoffice mit seinen ganz neuen Möglichkeiten ist eine dieser Veränderungen: Dirk Ramhorst (Wacker) stellte in der Session zu diesem Thema gemeinsam mit Dr. Tobias Kämpf (ISF) fest, dass New Work in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und nicht mehr nur als „Urlaub daheim“ betrachtet werden kann. Stattdessen wurde klar, dass man hier produktiver arbeiten kann – mit den richtigen Vorgaben. Was sich in den letzten Wochen erfolgreich durchgesetzt hat, wird nicht mehr verschwinden, wichtig ist aber die Reflektion: „You have to reflect your learnings from ,Corona‘ and (re)build your company!“

Ähnlich beim Thema „Smart Farming“: Durch die Pandemie traten die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion vermehrt in den Fokus. Technologie spielt auch hier eine große Rolle, vor allem durch jüngere Bauern wie Klaus Josef Lutz (BayWa) bereits in den Grußworten hervorhob: „It is an evolution, not a revolution.“ Im Panel „Smart Farming“ diskutierten Christian Metz (ZD.B), Dr. Jörg Robert (Fraunhofer IIS), Dr. Heike Bach (VISTA), Dr. Jernej Poteko und Sophia Sauter (beide LfL „Digi Milch“) über neue technologische Chancen für die Landwirtschaft. Ein „Digital Twin“, mit dem man unterschiedliche Klimasituationen simulieren kann, ist so eine Möglichkeit, um beispielsweise Dünger zu sparen. Sauter und Poteko erklärten anhand von „Smart Livestock“, wie dadurch Tierwohl und mehr Effizienz in der landwirtschaftlichen Arbeit kombiniert werden können.

„Technology will help us find our way out”, so Dr. Roland Busch (Siemens) in seinem Grußwort, „by combining the real and the virtual world we can create more.” Diese neuen, kreativen Lösungen standen auch in den Sessions zu „Innovation Management“ im Vordergrund, vor allem durch den Schatz der Daten. Darüber sprachen u.a. Luisa Katzenberger (Bayern Innovativ), Dr. Dominik Dellermann und Dr. Michael Durst (ITONICS GmbH) mit Dr. Tanja Jovanovic (Bayern Innovativ). Machine Learning und Künstliche Intelligenz helfen hier, die Daten zu analysieren und so auch neue Ideen zu identifizieren. Dabei hilft nicht zuletzt die gute alte Intuition – die mit den richtigen Daten zum Erfolg wird.

5G gehört ebenfalls zu den Themen der Tech Days, und wie Dr. Wolfgang Hackenberg schon im Grußwort betonte, bietet 5G die Grundlage für mehr kreative, technologische Möglichkeiten, die vor allem die Produktivität steigern: „Create here, at Tech Days, what we as a society need for our life.“ Damit verbunden ist allerdings immer der Aspekt der Sicherheit, der in den zahlreichen Sessions rund um Cybersecurity besprochen wurde, vor allem um Themen wie Open Source, Sicherheit bei Applikationen und problematische Legacy.

Digital Health war ein weiteres Thema, das in Zeiten der Pandemie ebenfalls ganz neue Bedeutung erhielt. In „Digital Avatars“ sieht Dr. Kei Müller (Ebenbuild) eine Lösung für die Zukunft: Während beispielsweise die Lunge nicht im Inneren untersucht werden kann, können „Digital Twins“ der Lunge genau diese fehlenden Daten liefern. „Donate Data“ ist hier eine wichtige Devise, um freiwillig Daten für mehr Informationen zu bekommen. Wichtig ist dabei, wie Katrin Pucknat (RedMed) betonte, vor allem eines: Der Mensch muss immer im Mittelpunkt stehen.

Netzwerken und das Kennenlernen neuer Unternehmen und Startups ist schon seit sechs Jahren eine zentrale Säule der Tech Days – und auch der virtuellen Version gelang das. 73 Aussteller konnte man in der Online-Start-up-Ausstellung treffen; durch das besonders beliebte Networking Carousel konnte man auch ganz zufällig neue Leute und Unternehmen kennenlernen. Zusätzlich hatten Start-ups und Unternehmen in den Sessions rund um „Innovation International“ die Gelegenheit, ihre Projekte vorzustellen. Die Präsentationen kamen dabei nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Israel, Kanada, Dänemark, den Niederlanden, Finnland oder Großbritannien. Der digitale Raum machte die internationale Verbindung so noch viel leichter, sodass mehr TeilnehmerInnen auch von entfernten Orten aus dabei sein konnten.

Technologie in all ihren Formen und Möglichkeiten stand im Vordergrund der Tech Days Munich – aber auch kulturelle und künstlerische Aspekte kamen nicht zu kurz. Und auch hier wurden nicht nur digitale Lösungen, sondern außerdem die besondere Schnittstelle zwischen Kunst und Technik gesucht, wie in dem Projekt „Spirio Sessions“: Jazz ist eine sehr experimentelle und kreative Musik – kann hier eine Künstliche Intelligenz wirklich aktiv mitmachen? Nicht nur das ließ sich auf den Tech Days entdecken, es gab auch Video-Kunst, Filme, digitale Kunst und mehr. Zusätzlich spielte die Band Detour im Live-Studio während der Pausen, sodass der ganze Tag durch Live-Musik begleitet wurde.

In ihren Schlussworten hob Anne Kjaer Barthel hob im Gespräch mit Bianca Sum noch die Wichtigkeit der „Digital Inclusion“ hervor – nur wenn alle Anteil an der Digitalisierung haben, kann sie wirklich etwas bewegen. Katrin Bacic (Wayra) gab noch ein paar Tipps auf den Weg: „Promote you colleagues to be innovative, trust them to be that. Look outside of the company. Bring this new thinking into your company – be open, and you can overcome the factors of stopping innovation.” Denn gerade die Zusammenarbeit der großen Elefanten, der Big Player auf dem Markt, mit kleineren Start-ups schafft Innovationen und neue Technologien. Lina Gandlose Hansen (Generalkonsulin Dänemark) betonte in ihrer Closing Keynote ebenfalls die Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Deutschland, die auch in den Tech Days ihren Ausdruck gefunden hat – und in der gegenseitigen technologischen Bereicherung: „With technology we shape our future!“

Und nächstes Jahr? So erfolgreich die virtuelle Variante auch war, 2021 soll wieder eine analoge Konferenz stattfinden. Das durchweg positive Feedback der TeilnehmerInnen hat gezeigt, dass die digitalen Möglichkeiten die perfekte Ergänzung zu einem analogen Format sind – Addition statt Ersatz also, und damit ein noch breiteres Spektrum an Chancen für die Tech Days.