AUSBILDUNGSOFFENSIVE SOFTWARE ENGINEERING

Am 30.05.2017 hat der Ministerrat eine zweite Stufe der Initiative Bayern Digital (Bayern Digital II) beschlossen. Diese umfasst ein auf fünf Jahre (2018–2022) angelegtes Investitionsprogramm (Masterplan) zu Kernthemen der Digitalisierung, insbesondere auch zur digitalen Bildung. Unter dem Teilziel „Wir stärken den akademischen Nachwuchs in digitalen Kerndisziplinen“ ist unter anderem eine „Ausbildungsoffensive Software Engineering“ vorgesehen, die darauf abzielt, die Ausbildungskapazitäten der bayerischen Hochschulen in der Informatik und angrenzenden Bereichen zu verstärken.

AUSGANGSLAGE

Trotz vielfältiger bestehender Studienprogramme herrscht in den bayerischen Wirtschaftsunternehmen ein Mangel an gut ausgebildeten Software Ingenieur/innen. In einschlägigen Gesprächen und Untersuchungen erhielt die Fähigkeit, die im Verlauf des Studiums erlernten abstrakten Konzepte und Methoden in praktischen Projekten ingenieurmäßig einzusetzen und anzuwenden, besondere Betonung. Andererseits sind solide Kenntnisse eben dieser Konzepte und Methoden unabdingbar, um den Bedarf zu decken. Eine schlichte Verlagerung von Lehr- und Betreuungskapazitäten „von der Theorie in die Praxis“ stellt demzufolge keine praktikable Lösung dar.

BEDARFSANALYSE

Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat den Sprecher des Bereichs Wissenschaft der Themenplattform mit einer bayernweiten Bedarfsanalyse beauftragt. Diese Bedarfsanalyse wurde 2018 in Zusammenarbeit mit allen staatlichen wissenschaftlichen Hochschulen erarbeitet. Wesentliche Schritte stellten Workshops und Arbeitstreffen dar, aber auch Recherchen im direkten Kontakt mit den Hochschulen.

Erstes Arbeitstreffen zur Bedarfsanalyse am 19.02.2018

Die von allen bayerischen Hochschulen benannten Vertreter und Vertreterinnen diskutierten die aus Hochschulsicht relevanten Bedarfe im Bereich der Informatikausbildung und stellten bereits vorhandene Konzepte zum Ausbau der Ausbildungskapazitäten in der Informatik vor.

Workshop zur Ausbildungsoffensive Software Engineering am 02.05.2018

Der bestehende Fachkräftemangel im Bereich Software Engineering stellt den Arbeitsmarkt vor enorme Herausforderungen, auf die auch die Hochschulen reagieren müssen. Im Rahmen der Bedarfsanalyse wurde mit Vertretern und Vertreterinnen von Wirtschaftsunternehmen und Verbänden die jeweiligen Bedarfe unter qualitativen und quantitativen Aspekten erörtert.

Zweites Arbeitstreffen zur Bedarfsanalyse am 09.10.2018

Die zentralen Aspekte der erarbeiteten Handlungsempfehlungen wurden in einem weiteren Arbeitstreffen in Zusammenarbeit mit Vertretern und Vertreterinnen der bayerischen Hochschulen finalisiert.

BERICHT

Übereinstimmend wurde in allen Gesprächen, Diskussionen und Analysen festgestellt, dass eine fundierte Qualifikation in Software Engineering nicht als eine von mehreren fachlichen Optionen in einem Informatik-Studiengang verstanden werden kann. Vielmehr bildet sie einen Grundpfeiler der Informatikkompetenz, der für jede Art von Schwerpunktbildung, beispielsweise in Data Science oder Künstlicher Intelligenz, essentiell ist, gerade unter dem Gesichtspunkt des aktuellen Kompetenzbedarfs.

Als Ziel der Ausbildungsoffensive wurde daher der gezielte Ausbau von Lehr- und Betreuungskapazitäten im Bereich Software Engineering verstanden. Dabei war immer zu berücksichtigen, dass eine vollwertige Ausbildung in Software Engineering nicht allein durch eine einzelne Lehrveranstaltung zum Thema gewährleistet werden kann, sondern einen thematischen Kontext von grundlegenden Lehrveranstaltungen in Informatik, insbesondere Grundlagen der Informatik, Programmierung, Algorithmen und Datenstrukturen, benötigt. Die Ausbildung zum Software Engineer im obigen Sinne erfordert aber auch ganz wesentlich praktische Ausbildungsanteile, in denen konkrete Softwareentwicklungsprojekte zu bearbeiten sind und die deutlich über den Umfang einer wissenschaftlichen Übung hinausgehen.

Angesichts der notwendigen Betreuungsintensität ergeben sich für alle bayerischen Hochschulen tatsächliche Kapazitätsengpässe. Darüber hinaus wird die Notwendigkeit gesehen, Kernelemente der Informatik auch in interdisziplinären Lehrangeboten zur Digitalisierung zu verankern, um eine solide nachhaltige Qualifikation sicherstellen zu können.

Auf der Basis der gemeinsam mit den bayerischen Hochschulen und der Wirtschaft erarbeiteten Bedarfsanalyse wurden Handlungsempfehlungen für die Umsetzung der Ausbildungsoffensive Software Engineering erarbeitet. Die Ergebnisse wurden abschließend als Bericht an das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst übergeben.

UMSETZUNG

Ein Umsetzungszeitpunkt der Initiative kann aktuell nicht angegeben werden.