Virtuelles Barcamp, IHK-Zukunftskonferenz, 17. Juni 2020.

Die digitale Transformation der Arbeitswelt zeichnet sich durch disruptive Entwicklungen aus, und verändert nicht nur Methoden, Medien und Werkzeuge der Arbeitsgestaltung, sondern auch Arbeitsinhalte und -strukturen und die Zusammenarbeit zwischen Menschen sowie zwischen Menschen und Maschinen. Dynamische Wertschöpfungsnetzwerke lösen starre Strukturen existierender Wertschöpfungsketten ab und es entstehen neue Geschäftsmodelle. Diese Veränderungen fordern uns auf allen Ebenen heraus: Staat, Sozialpartner, Unternehmen und Individuen. Insbesondere wird dieser Trend zu einem erheblichen Skill-Shift führen: Die Digitalisierung in Unternehmen kreiert neue Tätigkeiten und Jobs. Zudem finden Leben und Arbeiten zunehmend im Informations- und Datenraum statt, Lebens- und Arbeitswelt wachsen zusammen und Arbeiten wird immer flexibler – in mehreren Dimensionen. Darüber hinaus wird das Verständnis von Arbeit in Frage gestellt und das Zusammenarbeiten sowie das Zusammenleben wird immer vernetzter. Bestehende Tätigkeiten und Jobs verändern sich und werden teils deutlich anspruchsvoller. Angeeignetes Wissen und erworbene Kompetenzen unterliegen einer immer kürzeren Halbwertzeit und müssen kontinuierlich und flexibel weiterentwickelt werden.

Der Arbeitskreis “Arbeit in der digitalen Welt” vom MÜNCHNER KREIS hat ein Positionspapier zum Thema „Kompetenzentwicklung für die digitale Arbeitswelt – Wege und Hindernisse“ geschrieben, das u.a. auf der Basis der Ergebnisse eines Workshop-Days zum Einfluss der Kontextfaktoren vom MÜNCHNER KREIS und vom Zentrum Digitalisierung.Bayern erstellt wurde. Folgende Fragen stehen hier im Vordergrund:

  • Welche (Meta-)Kompetenzen brauchen wir in der digitalen Arbeitswelt jetzt und zukünftig?

  • Wie kann der Prozess der Kompetenzentwicklung im Unternehmenskontext erfolgen und unterstützt werden?

  • Welche Rolle spielen Faktoren wie Organisation, Führung, Kultur etc.?

Beim Barcamp zum Thema „Kompetenzentwicklung für die digitale Arbeitswelt“ der diesjährigen virtuellen IHK-Zukunftskonferenz „Digitale Kompetenzen“ am 17. Juni 2020 stellten Dr. Rahild Neuburger, Leiterin des Arbeitskreises „Arbeiten in der digitalen Welt” vom MÜNCHNER KREIS und Dr. Imme Witzel, Leiterin der ZD.B-Themenplattform Arbeitswelt 4. 0, die Ergebnisse des Positionspapiers vor.

Das sich die Dynamik des Wandels der Arbeitswelt 4.0 durch die Corona-Krise aktuell verstärkt hat und somit das Selbstmanagement bei Mitarbeiter noch viel wichtiger geworden ist, zeigte auch die Diskussion mit den Teilnehmenden im Anschluss. Zudem wurde deutlich, dass sich die Rolle der Führungskräfte zu einer Coaching-Funktion verändert.
„Weil es sein musste, hat es funktioniert – Corona war wie ein Lackmustest. Wir hatten Leichtigkeit im Experimentieren“ fasste Dr. Rahild Neuburger einige Statements der Diskussionsteilnehmer zusammen. In Zukunft werden Empathie, Resilienz, gegenseitiges Vertrauen und digitales Mindset eine größere Rolle spielen, um sich und die Digitalisierung weiter zu entwickeln. Zukünftig erforderliche Kompetenzen umfassen mehr als digitale Kompetenzen. Das Ziel darf nicht nur die Bewältigung einer digital vernetzten Lebenswelt, sondern auch die Erhöhung der Arbeits- und Lebensqualität sein.

Die zentralen Ergebnisse des Positionspapieres sind hier zusammengefasst.

  • Das digital-vernetzte Arbeitsleben erfordert neuartige und veränderte Kompetenzen, die mehr als digitale Kompetenzen umfassen. Ziel darf nicht nur die Bewältigung einer digital-vernetzten Lebenswelt, sondern muss die Erhöhung der Arbeits- und Lebensqualität sein. Es wurden sechs Kompetenzfelder identifiziert: Personenbezogene Softskills, soziale Skills, MMI-Skills, Prozess-Kompetenzen, Lösungs-Kompetenzen und Strategische Kompetenzen.

  • Deren Förderung und Entwicklung im Unternehmenskontext darf nicht unabhängig von den gegebenen Kontextfaktoren gesehen werden; jeder Kontextfaktor beeinflusst den Prozess der Kompetenzentwicklung fördernd oder hemmend.

  • Für jeden Kontextfaktor lassen sich individuell Ziel und Maßnahmen definieren, um zu einer Kompetenzentwicklung beitragen zu können.

  • Die Kompetenzentwicklung im Arbeitssystem erfordert ein ganzheitliches, übergreifendes Denken unter Berücksichtigung des gegenseitigen Einflusses der Kontextfaktoren.

  • In Bezug auf die Kompetenzentwicklung beeinflussen sich die Kontextfaktoren gegenseitig, so dass die jeweiligen Ziele und Maßnahmen aufeinander abzustimmen sind.

  • Dem Kontextfaktor der übergreifenden, betriebswirtschaftlichen, auf ein industrielles Arbeitssystem abgestimmten Metrik kommt eine besondere Bedeutung zu. Er prägt zudem jeden einzelnen Kontextfaktor und beeinflusst somit den Prozess der Kompetenzentwicklung direkt und indirekt und ist daher (noch) stärker zu berücksichtigen.

  • Übergreifendes Ziel muss daher die Weiterentwicklung bzw. Anpassung der vorherrschenden, industriell geprägten Metrik als Instrument der Orientierung und als Rahmen für die digital-vernetzte Arbeitswelt sowie die Entwicklung der erforderlichen Kompetenzen für diese Arbeitswelt sein.

>> Zum Download Positionspapier

 

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