Würzburg, 17. Juli 2019.  Mit der Auftaktveranstaltung zum Thema „Führung & Organisationskultur“ ist die Veranstaltungsreihe “Wie gelingt Digitalisierung?” des Zentrum Digitalisierung.Bayern  am 17. Juli 2019 in Würzburg erfolgreich gestartet. Flachere Hierarchien, mehr Eigenverantwortung und selbstbestimmteres Arbeiten in wechselnden Strukturen und Teams sind die Zukunft der Arbeitswelt. In drei spannenden Vorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Die engagierte Beteiligung des Publikums an der anschließenden Diskussion machte deutlich, dass das Thema in unterschiedlichsten Firmen hochaktuell ist, viele Ideen und Ansätze existieren, dass zugleich aber auch viel Unsicherheit herrscht. Ein wichtiges Fazit der Veranstaltung war: Damit Digitalisierung gelingen kann muss man andere Ansätze ausprobieren und sich trauen, neue Formen von Führungs- und Organisationskultur umzusetzen.

Das spannende Thema „Führung und Organisationskultur“ stand im Mittelpunkt des ersten Teils der Veranstaltungsreihe “Wie gelingt Digitalisierung”, die die Koordinator*innen mehrerer Themenplattformen und Initiativen des Zentrum Digitalisierung.Bayern konzipiert haben. Die Auftaktveranstaltung fand in Kooperation mit dem Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) Mainfranken statt. Zahlreiche interessierte Unternehmer*innen waren am 17. Juli 2019 ins Würzburger Konferenzzentrum infosim gekommen, um von ausgewählten Fachexpert*innen Einblick ins Thema sowie neue Impulse für die Umsetzung im eigenen Unternehmen zu erhalten. Die Veranstaltung bot drei Blickwinkel auf das Thema: wissenschaftliche Erkenntnis, unternehmerische Praxis und das gelebte Mindset.

Nach einer Begrüßung durch Dr. Mara Cole (Koordinatorin der Themenplattform Vernetzte Mobilität) und einer Vorstellung des ZD.B durch Maximilian Irlbeck (Koordinator der Themenplattform Digitalisierung im Energiebereich), gab Dr. Christian Andersen einen Einblick in die Aktivitäten des Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) Mainfranken.

Impuls 1: Was bedeutet Führung in der digitalen Arbeitswelt – und wie kann sie gelingen?

Dr. Alexandra Hauser, Senior Expert Leadership and Organizational Development der TUM School of Management, hatte für die Wissenschaft als erste das Wort. Sie schilderte, welche aktuellen Erkenntnisse es von Seiten der Forschung zum Thema gibt. Führung sei auch für sie als Wissenschaftlerin immer noch ein Prozess, der noch längst nicht umfassend erforscht ist. Worauf es aber heute nach aktuellen Erkenntnissen ankäme, sei, die Unterschiede zwischen „Transformationaler Führung“ und „Transaktionaler Führung“ zu verstehen und umzusetzen. Während früher vor allem Transaktionale Führungsqualitäten gefragt waren (Vorgabe von klaren Zielen, Belohnung entsprechender Erfolge), prägen das Bild der idealen Führungskraft heute andere Fähigkeiten. Führungskräfte von heute sollten sich eher am transformationalen Führungsstil orientieren und den Zusammenhalt durch Wertschätzung der einzelnen Mitarbeiter des Teams stärken sowie den Mitarbeitern eine starke Vision kommunizieren, sie aber bei der Umsetzung dazu ermutigen, eigene innovative Ideen zu entwickeln.

Das Bild eines autoritären Chefs, der klare Ansagen macht, ist zunehmend veraltet – aber dennoch immer noch in der Entwicklung von Führungskräften präsent. Um den digitalen Wandel im Unternehmen erfolgreich zu gestalten sollte sich die Ausbildung der Führungskräfte eher auf das Erlernen von Reflexionsfähigkeit und Selbstlernkompetenz fokussieren und dabei flexibel sowie individuell gestaltet sein. Experimentierräume können zum Beispiel helfen um verschiedene Verhaltensweisen auszuprobieren und schnell Feedback zu der erzielten Wirkung zu erhalten. Daher muss die Entwicklung von Führungskräften, die Teams im digitalen Zeitalter anleiten sollen, überdacht und anschließend entsprechend umgesetzt werden.

Impuls 2: Konstante Veränderung statt Management Fuckups. Learnings der vergangenen 15 Jahre – Agilität und Führung

Einen spannenden Einblick in ein Unternehmen, das neue Formen der Führung und Organisationskultur seit Jahren lebt, gab Björn Schotte, Geschäftsführer der Mayflower GmbH. Er berichtete praxisnah aus dem eigenen Unternehmensalltag. Eine wesentliche Motivation für die Auseinandersetzung mit Methoden der agilen Führung fußt laut Schotte auf der steigenden Komplexität des Arbeitsumfelds im Zuge der Digitalisierung, aber auch auf einer steigenden Marktdynamik. Dies habe zur Folge, dass klassische Führungsinstrumente häufig nicht mehr beherrschbar seien und Führungskräfte daher gezwungen, umzudenken und Neues auszuprobieren.

Als Kernelemente einer agilen Führungskultur nannte Björn Schotte in seinem Vortrag beispielhaft die Faktoren Transparenz, Peer-basiertes Gehalt, Team-Entscheidungen, Partizipation, Peer-basiertes Recruiting, Kooperation und eine gemeinsame Vision. Mitarbeiter in die Veränderungen der Führungskultur eines Unternehmens einzubeziehen, ihre Sorgen und Ängsten ernst zu nehmen, aber auch Ideen aus dem Team umzusetzen, trage dazu bei, dass neue Ansätze stärker akzeptiert werden. Einfach mal anzufangen und aus einer experimentellen Grundhaltung heraus neue Arten der Zusammenarbeit auszuprobieren, sie laufend zu hinterfragen und anzupassen sowie sich dabei an einem menschengetriebenen Führungsleitbild zu orientieren, das sei ein wesentlicher erster Schritt hin zu agil geführten Unternehmen.

Impuls 3: Mindful Leadership is Only Half of the Truth: Focus On The Core – Mindful Collaboration

Auch Urs Merkel, Gründer von MatchManao und Trainer bei der SHIFTSCHOOL, sprach im letzten Impuls vor der Podiumsdiskussion über ein menschenbezogenes Leitbild in der achtsamen Führung. Achtsame Führung basiert unter anderem auf der Fähigkeit, verständnisvoll und offenherzig zu sein, auf der wertfreien Anerkennung der Situation anderer und darauf, sich über sein eigenes Handeln bewusst zu sein. Eine solche Führungspersönlichkeit ist in der Lage, sich auf unterschiedlichste Mitarbeiter einzulassen und sie individuell zu unterstützen. Doch nicht nur Empathie für den einzelnen Mitarbeiter, auch ein Verständnis für die Komplexität von informellen sozialen Netzwerken um Kommunikationsflüsse besser zu verstehen, ist eine Kompetenz, die eine achtsame Führungspersönlichkeit lernen sollte.

In seinem Vortrag betonte Urs Merkel, dass für ihn achtsame Führung jedoch nur die halbe Wahrheit ist und dass man den Wandel hin zu einer dem digitalen Zeitalter gerechten Unternehmenskultur nur durch ein bewusstes Miteinander schaffen kann: Mindful Collaboration statt Mindful Leadership. Mindful Collaboration bedeutet, dass jeder Einzelne in einer Organisation weiß, wer er ist, was er macht und vor allem, warum er etwas tut und warum auch wichtig ist, was er tut. Damit dies gelingen kann müssen den zwischenmenschlichen Nuancen im Arbeitsumfeld die nötige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ziel ist es, eine unterstützende Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der Menschen zusammenarbeiten, die sich gegenseitig ganzheitlich wahrnehmen und es so zu ermöglichen, gesunde und angemessene Teambeziehungen aufzubauen, so dass eine starke Unternehmenskultur entstehen kann.

Podiumsdiskussion  und Netzwerken

Die anschließende Diskussion leitete Tilman Hampel vom Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) Mainfranken. Gemeinsam mit den drei Rednern diskutierte er, wie die dargestellten Konzepte am besten umgesetzt  werden können. Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion, Teilnehmer*innen berichteten aus eigenen Erfahrungen in ihren jeweiligen Unternehmen und stellten interessiert Fragen. Auch beim anschließenden Get-together diskutierten die Teilnehmer*innen noch angeregt weiter.

Weitere Veranstaltungen der Reihe

Das ZD.B setzt die Veranstaltungsreihe in den kommenden Monaten zu den folgenden Themen fort:

„Organisationsstruktur & Verantwortung“

„Werte & Kompetenzen“

  • 21. November 2019 im Einstein Gründerzentrum in Hof
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  •  Anmeldung

Würzburg, 17.07.2019: Foto + Film Andreas Eckert