Women’s Cyber Summit 2020 – mehr Expertinnen für die Cybersicherheit

Es gibt sie, die Frauen in der IT-Sicherheitsbranche – auf vielen Veranstaltungen sind sie jedoch nicht präsent. Die gezielte Ansprache von weiblichen Expertinnen ist auch für das Zentrum Digitalisierung.Bayern und das Sicherheitsnetzwerk München ein wichtiges Anliegen. Der erste Women’s Cyber Summit, in Kooperation mit „CYBERWOMEN – Das Event für Frauen der IT-Sicherheit“, bot am 14. Februar 2020 Gelegenheit zur Vernetzung und fachlichem Austausch. Die Veranstaltung fand im Rahmen der jährlichen Munich Cyber Security Conference (MCSC) statt.

Keynote-Sprecherin Marina Kaljurand stellte dem Publikum zu Beginn ein Rätsel: Welche mathematikbegeisterte Person beschäftigte sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts mit den Grundlagen der Programmierung und war der Zeit mit Abhandlungen zur künstlichen Intelligenz weit voraus? Die Lösung, Ada Lovelace, errieten die TeilnehmerInnen erst nach mehreren Tipps. Das Beispiel von Kaljurand führte vor Augen, dass Wissenschaftlerinnen und Expertinnen in vielen Bereichen unbegründeter Weise im Schatten männlicher Äquivalente stehen. Kaljurand selbst berichtete von ihrem Werdegang als ausgebildete Juristin, die sich unter anderem als Außenministerin von Estland mit den Risiken und Konsequenzen von Cyberangriffen auseinandersetzen musste. Inzwischen ist sie eine weltweit anerkannte Expertin für Cybersicherheits-Policy. Kaljurand verkörperte die Botschaft, dass Cybersicherheitsexpertinnen nicht zwangsläufig Informatikerinnen sein müssten, die Bereitschaft Neues zu lernen sei hingegen essenziell. Frauen dürften sich mehr zutrauen und sich offensiv als Expertinnen positionieren.

Im Anschluss an Kaljurands Keynote diskutierten internationale Sicherheitsexpertinnen in einem hochkarätig besetzen Panel, warum Cybersicherheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden muss, um den bestmöglichen Schutz für Wirtschaft und Gesellschaft aufbauen zu können. Vertreten waren Kiersten E. Todt, Managing Director Cyber Readiness Institute; Claire Vishik, Fellow and Global Cyber Security Director bei Intel; Mihoko Matsubara, Chief Cyber Security Strategist bei NTT; Renata Dwan, Director United Nations Institute for Disarmament Research; Nayia Barmpaliou, Head of Public Policy and Initiatives beim World Economic Forum Centre for Cybersecurity. Die angeregte Diskussion zu Datenintegrität, Supply Chain Security, AI und Security, Risikomanagement und internationaler Zusammenarbeit im Bereich Cybersecurity trübte nur das 45-minütige Zeitlimit Panels. Im Hinblick auf die Förderung von Frauen waren sich die Panelistinnen einig, dass Mentorship und Networking eine wichtige Rolle für die berufliche Entwicklung spielt. Gemeint war dabei nicht nur ein aktives Coaching durch eine Mentorin. Auch die Orientierung an Vorbildern und Frauen, die Vorreiterrollen im Bereich Cybersicherheit einnehmen, könne für den eigenen Karriereweg hilfreich sein.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stießen Alex Stamos (Adjunct Professor Stanford University und ehemaliger Chief Security Officer bei Facebook und Yahoo), Jeff Moss (Gründer und CEO DEF CON Communications und The Black Hat Briefings) sowie Donald D. Parker, VP Product Assurance and Security Group) zum Panel. Donald Parker appellierte an männliche Kollegen, sich für Diversität auf Veranstaltungen und in Gesprächsrunden einzusetzen – damit sogenannte „Man-els“ bald auch im Bereich Cybersicherheit der Vergangenheit angehören.