Verbraucherbelange 2018-07-02T10:45:02+00:00

Verbraucherbelange in der Digitalisierung

Die Digitalisierung durchdringt heute alle Lebensbereiche. Produkte und Dienstleistungen werden von globalen Unternehmensnetzwerken bereitgestellt, neue Geschäftsmodelle nutzen Datenströme und Algorithmen, die auf Informationen aus immer mehr Quellen zugreifen. Auf Basis dieser Daten werden personalisierte Produkte, Services, Tarife und Preise angeboten sowie zum Teil weitreichende Entscheidungen oft ohne menschliches Zutun getroffen. Die Plattformökonomie wirft mit Konsumenten, die zu Prosumenten werden, und ihrer inheränten Monopolisierungstendenz neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen auf. Diese Zusammenhänge bleiben für Verbraucherinnen und Verbraucher oft undurchschaubar, was das Vertrauen in die Digitalisierung insgesamt schwächt.

Eine vorausschauende Verbraucherpolitik antizipiert diese neuen Fragestellungen und fließt als Querschnittsthema frühzeitig in die Gestaltung von Politiken und Produkten und Dienstleistungen ein. Das bedeutet sowohl, den heterogenen Informations- und Schutzbedürfnissen von Verbrauchern Rechnung zu tragen, als auch, das ökonomische Potenzial verbraucherfreundlicher Produkte zu nutzen. Denn der Erfolg der digitalen Transformation hängt maßgeblich vom Vertrauen der Konsumenten in digitale Geschäftsmodelle und Dienste ab. Dies erkennt man beispielsweise an den zahlreichen Unternehmen, die einen verbraucherfreundlichen Umgang mit Daten zu ihrem zentralen Verkaufsargument gemacht haben. Damit ist es ein entscheidender Faktor für den Wirtschaftsstandort Bayern, wie verbraucherfreundlich digitale Produkte und politische Rahmenbedingungen ausgestaltet werden.

Eine Stärkung der Verbraucher erhöht also einerseits das Vertrauen in digitale Produkte und Dienstleistungen. Andererseits sorgt sie aber auch für das in einer sozialen Marktwirtschaft charakteristische Gleichgewicht aus wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt. Fundament hierfür sind eine erhöhte Transparenz des Marktgeschehens, die Verhinderung von Marktversagen wie Monopolen, eine effektive Durchsetzung bestehender Verbraucherrechte und die Weiterentwicklung dieser, sowie eine Verbesserung der Organisationsfähigkeit von Verbraucherinteressen. Eine solche Berücksichtigung von Verbraucherbelangen auf Augenhöhe mit der Wirtschaft ist damit Voraussetzung für eine erfolgreiche, nachhaltige digitale Transformation auf Basis von Menschenwürde und informationeller Selbstbestimmung.

Das Projekt Verbraucherbelange in der Digitalisierung

Zielsetzung

Im Prozess der digitalen Transformation soll die Berücksichtigung von Verbraucherbelangen fest verankert sein. Das Projekt treibt Verbraucherthemen in der Digitalisierung voran und wirkt als Vermittler zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Verbraucherorganisationen.

Maßnahmen

In Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Wirtschaft und Verbraucherorganisationen sollen Verbraucherbelange in der Digitalisierung identifiziert, antizipiert und frühzeitig in Produkte und politische Konzepte eingebracht werden.

Dabei profitiert das Projekt von den bestehenden Netzwerken der Initiativen des ZD.B und bringt verbraucherrelevante Fragestellungen in die Aktivitäten des ZD.B insgesamt ein. Eine enge Zusammenarbeit mit dem StMUV stellt sicher, dass die Ergebnisse dieser Kooperationen an den politischen Diskurs anschlussfähig sind.

Beispielsweise unterstützte das Projekt 2017 die Konferenz digina, die das Thema digitaler Nachlass voranbringen soll, als Hauptsponsor und erarbeitet nun gemeinsam mit der Konferenzleitung Vorschläge zur Standardisierung und Regulierung in diesem Bereich.
Für 2018 hat das Projekt Privacy by Design zum Schwerpunktthema gewählt und entwickelt unter anderem gemeinsam mit der Uni Bayreuth einen Workshop zur Vermittlung von Privacy by Design an angehende Entwickler.

Organisationsstruktur

Das Projekt wird von Dominik Golle (Koordinator) und Dr. Christian Thiel (Referent) in Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz (StMUV) gestaltet.

Zur nachhaltigen Verankerung des Themas Verbraucherbelange in der Digitalisierung am ZD.B soll 2019 eine eigene Themenplattform eingerichtet werden.