München, 1. Oktober 2019
Die Zentralveranstaltung der ersten BIM (Building Information Modeling) Weeks  fand am 1. Oktober im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie mit Vertretern aus Politik, Ministerien, Wirtschaft, Kammern, Verbänden und Wissenschaft statt. Hochkarätige Referenten gaben zukunftsweisende Impulse zum aktuellen Digitalisierungsstand der Baubranche und diskutierten angeregt die kommenden Chancen & Herausforderungen.

BIM Week Zentralveranstaltung

Bauwirtschaft als Schlüsselbranche der digitalen Transformation
Das Bauwesen zählt, sowohl gemessen an ihrem Wertschöpfungsbeitrag als auch an den Beschäftigten, zu den wichtigsten Branchen in Bayern. Mit Themen wie dem Klimawandel, der Urbanisierung, fehlendem Wohnraum und dem Fachkräftemangel steht die Bauindustrie vor vielen Herausforderungen. Roland Weigert, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, ermutigte in seinem Grußwort alle Unternehmen diesen wichtigen Schritt ins digitale Zeitalter zu gehen. Die Zukunft der Bauwirtschaft ist digital – und das in allen Stufen der Wertschöpfungskette. Deshalb muss Digitalisierung als Chance begriffen werden.

BIM ist keine Software, sondern eine Methodik
Dr. Daniel Forsmann (DB Netz AG) zeigte in seiner Keynote, wie im Unternehmen bereits seit 2015 BIM stufenweise bei Infrastrukturprojekten eingesetzt wurde, mit dem Ziel dann ab Ende 2020 alle neuen Projekte mit BIM zu planen. Dabei wird BIM nicht als Software, sondern als Methodik gesehen. Voraussetzung für die erfolgreiche Ausschöpfung der Potentiale der BIM-Methodik ist allerdings eine kollaborative Zusammenarbeit aller Akteure und damit einhergehend ein Kulturwandel im Bau-Ökosystem. Als notwendige nächste Schritte sieht er die Digitalisierung von behördlichen Prüf- und Genehmigungsvorgängen, Weiterentwicklung der BIM-Industriestandards und Normen, Open BIM Öffnung auch für kleinere Projektpartner um eine Monopolstellung zu vermeiden, sowie die Stärkung von partnerschaftlichen Ansätzen, um das volle Digitalisierungspotential auszuschöpfen.
Zusätzlich zu BIM generiert die DB Bahn AG über die Zusammenarbeit mit Startups neue Impulse um gemeinsam Lösungen zu finden, wie vorhandene Daten besser nutzbar, Informationen generiert & vermittelt, Prozesse besser & schneller digital gesteuert und Schnittstellen weiter optimiert werden können.

Digitalisierung im Bauwesen –  auf allen Ebenen
Im ersten Impulsvortrag „Digitalisierung im Bauwesen – Global denken, national wirken, regional handeln“ zeigte Prof. Dr. André Borrmann (TU München und Sprecher der ZDB Themenplattform Digitales Bauen) den 2015 bekannt gegebenen BIM Stufenplan, mit dem Mandat der BIM-Anwendung ab 2020. Herr Prof. Borrmann verwies hierzu auf ausführlich beschriebene Leitfäden, Handreichungen und die Ergebnisse der einzelnen Arbeitspakete zum Download auf der Plattform BIM4Infra. Wo BIM schon heute ganz konkrete Vorteile bringt, präsentierte er anhand der drei Pilotprojekte Mainbrücke Mainflingen, Frankenschnellweg und der Autobahnbrücke BW27/1 (Teil der A99). Aus der Sicht von Prof. Borrmann kann die Digitalisierung im Bauwesen nur gelingen, wenn sie auf allen Ebenen angegangen wird. Hierbei sind staatliche Vorgaben unabdingbar, um Veränderungen in der fragmentierten Baubranche auszulösen. Regionale Initiativen sind dabei essentiell um die Unternehmen für die digitale Transformation fit zu machen.

Wie wollen wir miteinander auf die Herausforderungen umgehen?
Aus dem Erfahrungsschatz eines Bauunternehmens berichtete Dr. Marcus Schreyer in Vertretung von Johann Bögl (beide Max Bögl Group) in seinem Vortrag „BIM 4.0 & seine Anforderungen an das Ecosystem Bauwirtschaft“.  Die ersten Schritte in die Welt digitaler Prozesse waren dabei von der Zielsetzung geprägt, mit Computermodellen komplexe Prozessfragen zu lösen und Produktionsabläufe weitgehend zu automatisieren. Als einen der größten deutschen Fertigteil-, Stahlbau und Systembauanbieter stellte Dr. Schreyer Bausysteme vor, die charakterisiert sind durch standardisierte Bausteine, die sich einer Kombinationslogik folgend, in einem mehrstufigen Prozess zu einer vielfältigen Anzahl an Bauwerksvarianten zusammenstellen lassen. Seine Erfahrung ist, dass die Baubranche vor zahlreichen Herausforderungen steht, die nur gemeinschaftlich bewältigt werden und das digitales Planen und Bauen partnerschaftliches Zusammenarbeiten fördert. Somit lauten die Gebote der Zeit: Kooperation und transparente Prozesse. Die Branche sollte also nicht nur technologisch, sondern auch neuer ungewohnter Formen der Projektabwicklung gegenüber aufgeschlossener sein. Für ihn stecke der Schlüssel für Digitalisierung in Bauwirtschaft in der Antwort auf die Frage „Wie wollen wir miteinander auf die Herausforderungen umgehen?

Die Innovation entsteht in den Schnittstellen
Daran schloss sich die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion an. Moderiert von Dieter Grömling (Leiter a.D. Bauabteilung der Max-Planck-Gesellschaft) und Michael Nachtsheim (Koordinator Digitales Planen und Bauen, ZD.B) diskutierten die Vertreter des BIM Clusters Bayern über anstehende Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung im Bau. Dabei ging es vor allem um unterschiedliche Einschätzungen zur BIM-fähigkeit deutscher Unternehmen, der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zu USA und China, Anpassung von Aus-und Weiterbildungsstandards, derzeitige Herausforderungen durch das Vergaberecht und die erwartete Effizienzsteigerung durch BIM. Alle Beteiligten waren sich einig, dass Digitalisierungsvorteile meist erst mittelfristig ihren ökonomischen Nutzen zeigen werden, aber jetzt begonnen werden muss , um auch zukünftig den Anforderungen an Kosten, Terminen und Qualitäten gerecht zu werden. Am wichtigsten sei es jedoch die gemeinsame Zusammenarbeit in den Vordergrund zu stellen, statt – wie in der Vergangenheit oft – gegeneinander zu arbeiten. Denn in den Schnittstellen entstehe die Innovation und der Mehrwert von BIM für die Bauwirtschaft. BIM bietet die Chance, die Verantwortung aller im Prozess Beteiligter transparent zu machen und somit die digitale Transformation im Bau aktiv mitzugestalten.

Digitalisierung ist ein Katalysator
Beim anschließenden Networking wurde angeregt weiter diskutiert, bestehende Kontakte gepflegt und neue Netzwerke geknüpft. Michael Nachtsheim – ZD.B-Koordinator Digitales Planen und Bauen – war begeistert von der aktiven Teilnahme und fasst die Veranstaltung mit „Digitalisierung ist ein Katalysator für mehr miteinander und mehr Wertschöpfung in der Bauwirtschaft, sowie letztendlich für eine bessere, bebaute Umwelt.“ zusammen.