Regensburg, 05. September 2019.  Mit dem Thema “Organisationsstruktur & Verantwortung” ging die Veranstaltungsreihe “Wie gelingt Digitalisierung? Den digitalen Wandel in Organisationen erfolgreich gestalten ” des Zentrum Digitalisierung.Bayern am 5. September 2019 in die zweite Runde. 100 Teilnehmer waren gekommen, die Techbase war ausgebucht. Die große Resonanz zeigt, welch hohen Stellenwert dieses Thema derzeit bei Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Organisationen hat. Vier Referenten gaben spannende Einblicke in wissenschaftliche Erkenntnisse, unternehmerische Praxis, sowie Impulse für das digitale Mindset und zeigten, wie digitaler Wandel bereits jetzt erfolgreich gestaltet wird. Die rege Beteiligung des Publikums an der Podiumsdiskussion und das positive Feedback zur Veranstaltung machten deutlich, wie essentiell Austausch und Vernetzung für das Gelingen der digitalen Transformation sind.

Zum Start begrüßten Marlene Bohrer-Steck (Koordinatorin der ZD.B-Themenplattform Gesundheit) und Alexander Rupprecht (R-Tech) die Gäste. Nach einer kurzen Vorstellung des ZD.B und seiner Initiativen, gab Claudia Hofmann (Digitale Gründerinitiative Oberpfalz) einen Überblick über die zahlreichen Aktivitäten zur Förderung von Gründerkultur und Weiterentwicklung des Gründer-Ökosystems, die in der Techbase Regensburg erfolgreich umgesetzt werden.

Impuls 1: Organisationspsychologie der Digitalisierung – Was Unternehmen und Führungskräfte wissen müssen!

„Je digitaler die Arbeit wird, desto kognitiver wird sie!“ Mit dieser These stieg Professor DoktorPeter Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Sozial-, Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Regensburg, in den ersten Vortrag ein. Er zeigte zunächst, welche Chancen sich durch Entwicklungen und Technologien wie z.B. Social Media, KI, Robotik & Automatisierung, Blockchain, Big Data, VR und Quantencomputing ergeben, wenn diese intelligent genutzt werden..

Was bedeutet das für das Thema Digital Leadership ? Aus Sicht von Professor Fischer benötigen die Führungskräfte von heute einen „Crashkurs Psychologie“. Denn 80% der Führung ist Kommunikation, da der Informationsaustausch in Teams in der digitalen Transformation an Bedeutung gewinnt. Da diverse Teams bessere Entscheidungen treffen und höhere Lösungswahrscheinlichkeit erzielen, sollte mehr Wert auf Heterogenität (Kultur, Geschlecht, Alter) gelegt werden. Die unterschiedlichen Interessen – Sinnhaftigkeit der Arbeit, Work Life Balance oder Karriere – sollen bedacht werden. Selbstorganisation unterstützt die Teams dabei, kreative Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Nicht zu unterschätzen ist die Notwendigkeit von Kompetenzen in digitaler Kommunikation, um Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden, denn s Menschen kommunizieren digital anders als analog.
Aufgrund des hohen Tempos der Digitalisierung sollte das Handeln in Organisationen eher nach der Methode „Trial & Error“ erfolgen. Ziel ist dabei, möglichst schnell ein „minimal viable product“ zu launchen, testen, Kundenfeedback einzuholen und auf dieser Basis zu optimieren. Die Vorteile dieses endlosen und anhaltenden Prozesses überwiegen so stark, dass dieser Trend bleiben wird. Sein Fazit: „Die Digitalisierung ist da und wird uns auch weiter begleiten. Man muss den Leuten Lust auf Digitalisierung und es Ihnen verständlich machen im Sinn von ‚so kompliziert ist es nicht‘“! Und Psychologie ist dabei wesentlich wichtiger geworden.“

Impuls 2: Digitalisierung im Handwerk erfolgreich meistern

Anhand unterschiedlicher Praxisbeispiele zeigte Christian Zweck, Beauftragter für Innovation & Technik; Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz (HWK) im zweiten Vortrag wie sich Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse im Handwerk 4.0 bereits jetzt verändern.  So erstellt der „digitale Zimmerer“ 3D-Modelle, der „digitale Dachdecker“ setzt Multikopter zur Dachinspektion ein und in der Ausbildung von „digitalen Fahrzeuglackierern“ werden Grundkenntnisse mit Hilfe von VR-Brillen vermittelt .
Auch beim  „digitale Malerbüro“ sind alle Arbeitsschritte von Auftragsannahme über Vermessung, Angebotserstellung, Auftragsbearbeitung bis hin zur Rechnungsstellung bereits sukzessive digitalisiert worden.
Für die einzelnen Schritte der Digitalisierung empfiehlt Christian Zweck, sich anhand des „Strategieleitfadens für Digitalisierung im Betrieb“ der HWK (LINK ZUR WEBSITE DER HWK EINFÜGEN?) nacheinander mit folgenden Fragestellungen zu beschäftigen: „Was will ich in meinen Unternehmen verbessern? Welche Möglichkeiten/Lösungen gibt es? Wie stelle ich mir die Einführung vor? Welche Veränderungen gibt es dadurch? Kann die Maßnahme durch ein Förderprogramm bezuschusst werden? Für die erfolgreiche Umsetzung sollten dann zunächst kleine Schritte mit überschaubaren Aufwand gemacht werden.Die Handwerkskammer unterstützt interessierte Betriebe mit einem individuellen „Digi-Check“ dabei,  Potentiale der Digitalisierung für das eigene Unternehmen zu identifizieren und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung. Da der Erstkontakt des Kunden inzwischen zum Großteil über Online-Recherche erfolgt, ist die Präsenz der Betriebe in Internet und Social Media wichtiger geworden. Deshalb rundet ein kostenloser „Homepage-Check“ das Beratungsspektrum der Handwerkskammer ab.

Impuls 3:  „Sana goes Digital“ – ein Bericht aus der Praxis

Im dritten Vortrag stellte Michael Rosenstock von der Sana Kliniken AG den neu eingerichteten Bereich Sana Digital vor, den er leitet. Er beschrieb ihn als „Plattform für kontinuierliches digitales Innovationsmanagement, um Prozesse der Kliniken zu verbessern“.de Der Fokus seiner Tätigkeit liegt auf der Optimierung von Prozessabläufen, sowie der Erschließung neuer Umsatzquellen und Sicherung bestehender Umsatzquellen mittels digitaler Lösungen Die Kernfrage lautet dabei immer „Welche Probleme gibt esin den Krankenhäusern?“

Grundsätzlich handelt es sich beim Innovationsmanagement um Pionierarbeit. Deshalb ist ein wichtigstes Key Learning von Herrn Rosenstock „Sich darauf einzustellen, Fehler zu machen! Denn Fehler sind normal und wer keine Fehler macht, macht wahrscheinlich auch sonst nichts“. Aus seinen Erfahrungswerten lassen sich weitere Key Learnings ableiten, wie z.B. strategisch zwischen Digital- und IT-Projekten zu trennen und dabei den Fokus auf niedrigschwellige Lösungen und Angebote zu legen. Die Sana Kliniken AG hatte sich dazu entschlossen, für das Thema Digitalisierung einen eigenständigen Bereich parallel zur IT einzurichten. Ein wichtiger Ansatzpunkt liegt darin, zu sichten, welche Lösungen für bestimmte Themen es bereits gibt. Ziel ist es,  lange Entwicklungzyklen zu vermeiden, so dass eine Lösung schnell in die Umsetzung kommen kann. Viele der Ideen stammen dabei von Start-ups. 300 solcher junger Unternehmen  hat die Sana Kliniken AG gesichtet, aus denen bisher 16 Pilotprojektehervorgegangen  sind. Hierbei ist neben der Zusammenarbeit mit der Unternehmens-IT auch die Einbeziehung der Key-Opinionleader und der jeweiligen Fachbereiche in der eigenen Organisation ein essentielles Thema, so Michael Rosenstock. Letzteres ist besonders wichtig,  um die Akzeptanz des Themas sicherzustellen. Als Basis für eine gelingende Zusammenarbeit mit Start-ups nennt Michael Rosenstock , Startups und deren Gründer als Partner auf Augenhöhe zu sehen. . Eine Herausforderung sei, dass die notwendigen personellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Impuls 4: Digitales Mindset als Erfolgsfaktor in der Transformation

Im letzten Impuls wurde offensichtlich: Die digitale Transformation bringt für alle Organisationen die Notwendigkeit zur Veränderung mit sich. Denn 52 Prozent der Fortune 500 Unternehmen sind seit dem Jahr 2000 verschwunden. „Früher hatten diese eine Lebensdauer von 75 Jahren, heute nur noch 15 Jahre“ so Armin Lutz, Geschäftsführer der AL Management Beratung. Inzwischen sind sich  viele Organisationen bewusst, , dass „etwas auf sie zukommt“. Aber wie gelingt es, durch diese Erkenntnis neue Geschäftsfelder zu schaffen, die Organisationsstrukturen zu verändern und via Management und Key-Opinionleader alle ins Boot zu holen? Dafür bedarf es eines digitalen Mindsets, also der Erfahrung und des Bewusstseins und der Möglichkeit, sich zukunftsorientiert auf das Thema Digitalisierung einzulassen. Armin Lutz sieht hier vor allem Offenheit und Agilität, Kundenzentriertheit sowie einen offenen Umgang mit Scheitern, Kreativität, Proaktivität und unternehmerische Handlungsorientierung und Kritikfähigkeit als wichtige Skills für die Zukunft.
Für eine gelungene digitale Transformation sollte man die unterschiedlichen digitalen Typen (Hinterfrager, digitaler Befürworter, digitaler Nerd, digitaler Brückenbauer) der zentralen Akteure im Unternehmen kennen, um diese zielführend miteinander vernetzen zu können. Hierbei sind Methoden wie z.B. „Reverse Mentoring“ hilfreich, in der jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Sichtweise den erfahrenen Fachkräften näher bringen – unter dem Motto: „Die Softskills von heute werden die Hardskills von morgen sein“.

Next Generation Startup Scouting

Josef Seidl, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der INNOSPOT GmbH, stellte zum Abschluß sein Unternehmen vor, welches auf das weltweite Scouting von Startups durch eine auf KI basierte Such-und Crawler-Technologie spezialisiert ist und stellte Anknüpfungspunkte für eine mögliche Zusammenarbeit vor. Aufgrund der Vielzahl von Neugründungen junger Unternehmen ist es schwer, hier den Überblick zu behalten. INNOSPOT bietet hier eine Lotsenfunktion und durchforstet aktuell eine halbe Million Start-ups, von denen jede Woche ca. 1200 Neugründungen identifiziert werden.

Podiumsdiskussion  und Netzwerken

In der abschließenden Podiumsdiskussion, die Dr. Robert Couronné, Business Innovation Coach bei der conplement AG moderierte, diskutieren alle Referenten nochmal intensiv über die unterschiedlichen Herausforderungen für Organisationsstruktur und Verantwortung der Unternehmen. Dabei lohnt es sich besonders, Erfolgsfaktoren von Startups zu analysieren, um davon zu lernen. Zentraler Faktor für die erfolgreiche digitale Transformation ist das digitale Mindset aller Akteure – darin waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Und Einigkeit herrschte auch dabei, dass für eine erfolgreiche digitale Transformation nicht technische Entwicklungen, sondern der Kulturwandel in den Unternehmen entscheidend ist. Die Teilnehmer nutzten intensiv die Möglichkeit, den Referenten Fragen zu stellen. Z.B. konnte Christian Zweck bei der Frage, inwiefern die Digitalisierung denn Handwerksbetrieben Wettbewerbsvorteile schaffe, das sehr positive Beispiel einer Bäckerei nennen, die mit einer App, die die Inhaltsstoffe der Backwaren darstellt und die um einen Bestellservice erweitert wurde, einen Umsatzsteigerung ohne Personalaufstockung erlangen konnte.
Beim folgenden Get-together wurden viele der Impulse in persönlichen Gesprächen intensiv diskutiert und neue Kontakte geknüpft.

Weitere Veranstaltungen der Reihe

Das ZD.B setzt die Veranstaltungsreihe in den kommenden Monaten mit dem folgenden Thema fort:

„Werte & Kompetenzen“

  • 21. November 2019 im Einstein Gründerzentrum in Hof
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Regensburg, 05.09.2019: Foto Andreas Eckert